März 2016

Liebe Freunde/Freundinnen, Bekannte und andere Leser von Heidemaries Webseite,

Heidemarie ist nach einer langen Krankheit in der Nacht am 23.3.2016 sehr friedlich eingeschlafen und von uns gegangen. Wie sie schon im letzten Text erwähnte, stand der Februar für Frieden. Und den hatte sie gefunden!

Damit wir sie nicht vergessen, kann man eine liebe Nachricht  auf dieser Seite hinterlassen (http://inmemoriam.heidemarieschwermer.com/). Man darf Musik, ein Kerzchen, ein Bild oder Sonstiges als Gedenken draufladen (Berichte werden aber erst kontrolliert).

Wir hoffen, dass Heidemaries Ideen in euch weiterleben werden und ihr sie in guter Erinnerung behaltet! Ihre Bücher mit ihren Gedanken kann man auch weiterhin bestellen.

Herzliche Grüsse, Natalia Oyarce Schwermer

Dear friends,

Heidemarie has passed away peaceful in a loving environment in the night of 23th march 2016, after a long illness. Like she said in her last text in February, she found peace in her heart. Her life was very exciting, balanced and fulfilled, she always said. We hope that her thoughts and ideas will never be forgotten and will live on in you. Her books with her thoughts are still in the stores.

If you want to say something and leave a message, music, picture or something else to remember her, you can do this over HERE (http://inmemoriam.heidemarieschwermer.com/).

Greetings, Natalia Oyarce Schwermer (daughter)

 

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Januar 2016

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das neue Jahr begann für mich mit Schwung und Freude. Nach der ersten Woche jedoch kehrte Stille ein, absolute und totaler Rückzug. Mit den Energien ist es ja manchmal so, dass wir sie kaum steuern können, dass etwas geschieht, mit dem wir nicht gerechnet haben. Oft spielt das Kollektive dabei mit. Eine Freundin bestätigt mir jedesmal, wenn ich ihr von speziellen Dingen aus meinem Leben berichte, dass sie ähnliches bei anderen Freunden auch gerade erlebt. Manchmal sehen die Erlebnisse fast identisch aus. Das hat natürlich mit den morphogenetischen Feldern zu tun und unserem Zusammengehörigkeitsgefühl, das ja ständig wächst, je spiritueller wir werden. Ein Teil des Ganzen zu sein, die Individualität auszutauschen mit einer ganz neu erlebten Verbundenheit, macht glücklich.

Die letzten Wochen waren also Zeiten der Stille für mich und der Einkehr ins Innere. Dazu fallen mir die Rau-nächte oder Rauhnächte oder Rauchnächte ein. Sie beginnen am 25.12. des alten Jahres und enden am 5.1.
Der Begriff Rauhnächte kommt von Räuchern und stammt aus der Vergangenheit. Unsere Vorfahren führten ein Ritual ein: das alte Jahr wurde ganz einfach ausgeräuchert. So schufen sie Platz für das Neue, was im neuen Jahr geschehen wollte (oder sollte?) Jedes Jahr die gleiche Zeremonie: 12 Nächte wurden dafür anberaumt. Jede Nacht hatte ein anderes Thema und stand für einen Monat im Kommenden Jahr..
Seit einiger Zeit wird dieses Ritual wieder aufgegriffen von unterschiedlichen Gruppen. Es wird über die Themen meditiert, manchmal Buch darüber geführt, damit nichts in Vergessenheit gerät. Auch ich habe mich diesmal an dieser Sequenz beteiligt. Der Monat Januar hatte das Thema Stille als Schwerpunkt. Stille und Rückzug. Andere Monate standen unter Frieden, Liebe, unterschiedliche Strategien und anderes, sehr interessant.

Wie sollte das nun gehen mit der Stille? Ich war so eingespannt in ein eher geschäftiges Leben, dass ich mir den Rückzug gar nicht vorstellen konnte. Doch plötzlich tauchte die Wohnung vor mir auf, in die ich eintauchen wollte, um alles von mir abzuwerfen. Hier war ich überwiegend allein, musste mich nirgendwo unterordnen, konnte einfach auf mein Herz hören und tun, was es mir diktierte. Meist handelte es sich dabei um Meditationen, die mich trugen. Ohne jegliche Ablenkung gestaltete ich die nächsten 14 Tage, wurde Teil der Natur von meinem Meditationsplatz aus.
Ich fühlte die Sonne, lauschte dem Regen und verschmolz mit dem Wind.
Eigenartigerweise musste ich das alles von dem Platz am Fenster wahrnehmen, konnte mich nicht nach draussen begeben. Meine Gesundheit ließ das nicht zu, was mir jedoch keineswegs schwerfiel. Ich fühlte mich wie in einem Kloster, und Nebeneffekt dieser Zeit waren gravierende Entscheidungen, die ich für die Zukunft fällte.So habe ich das Gefühl, in dieser letzten Zeit wieder ein Stück gewachsen zu sein. Heute kehre ich zurück in den Trubel und bin auch damit zufrieden.
Mal schauen, was der Februar bringt, der unter dem Motto Frieden steht.
Uns allen ein ausgefülltes sinnreiches Jahr 2016 wünscht Heidemarie

Dezember 2015

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

als ich vor kurzem darum gebeten wurde, meine „Krankheitsgeschichte“
aufzuschreiben, kam ich über einige Fakten ins Grübeln. Durch meine Ausbildungen im Laufe meines Lebens, besonders auf dem psychischen Gebiet hatte ich geglaubt, die meisten Störungen in mir ausgeräumt zu haben. Nun stolperte ich über einige Muster, die mein Leben bestimmt hatten und immer noch bestimmten. Muster legen wir uns zu, um als Kinder zu überleben, die unangenehmen Situationen irgendwie zu managen. Als Kinder sind wir gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, um verschiedene Situationen zu besiegen und vor allem weiterleben zu können.
Eins meiner ersten Lebensmuster wurde in meiner frühen Kindheit geprägt:
Wir waren auf der Flucht von Ostpreußen in eine neue Heimat: vier Kleinkinder mit Mutter und Oma. Die Situation sah folgendermaßen aus:
meine ein Jahr jüngere Schwester war in letzter Sekunde aus einem Krankenhaus geholt worden, allerdings nicht gesünder als bei ihrer Einlieferung. Der Feind stand vor der Tür, und alle Kranken mussten das Haus verlassen. Meine Mutter war so glücklich darüber, dass sie ihr Baby lebend geborgen hatte, dass sie dieses Kind besonders gut hütete, es mit sich herum trug und in intensivem Kontakt mit ihm stand.. Dafür wurde sie belohnt, denn meine damals todkranke Schwester überlebte und wurde eine stabile Persönlichkeit.

Meine Oma hatte einen Lieblingsenkel, um den sie sich besonders bemühte.
Mein ältester Bruder, damals gerade fünf Jahre alt, versuchte eine Vaterrolle einzunehmen und die Familie irgendwie zusammenzuhalten. Nur ich als drittgeborenes Kind hatte keine Rolle. Ich fühlte mich überflüssig und ungeliebt. Als wir nach der Flucht ein neues Zuhause fanden, kam mein Muster zum Tragen. Überflüssig wollte ich nicht sein! So begann eine lange Geschichte der Krankheiten. Schnell hatte ich nämlich gemerkt, dass bei Krankheit sich alle um mich kümmerten und ich plötzlich ganz wichtig war.

Mein zweites auffälliges Muster hatte mit meiner Einstellung zu mir selbst zu tun. Als ich 9 Jahre alt war, wurde meine jüngste Schwester, eine Nachzüglerin sozusagen, geboren. Durch ihre Geburt kam ich von meinem Überflüssigkeitsgefühl weg, denn sofort begann ich, mich besonders um dieses Kind zu kümmern. Ich nahm so etwas wie eine Mutterrolle ein, brachte ihr das Laufen, das Sprechen u.a. bei. Auf alten Fotos stellte ich fest, dass zu dieser Zeit etwas mit meinem Äußeren geschah: Ich wurde dicker, brauchte eine Brille und fühlte mich hässlich. Meine kleine Schwester war so süß, fiel auf mit ihren strahlend blauen Augen und stand überall im Mittelpunkt. Natürlich war ich stolz auf sie, brachte mich aber immer mehr in ihren Schatten, und schon bald hiess mein neues Motto: Ich bin hässlich, dick und dumm! Mit dieser Einstellung hatte ich lange Jahre zu kämpfen. Auch das Abitur, mein Studium und andere Maßnahmen, die ich ergriff, um aus dieser Falle herauszukommen, halfen mir nicht.

Das ist das Katastrophale an den eingeprägten Mustern: Haben wir sie einmal angelegt, werden wir wir sie nicht so schnell wieder los. Warum sucht sich jemand immer wieder einen Partner, der nicht zu ihr passt?
Warum machen wir ständig dieselben Fehler, tappen in Fallen, die uns zusetzen, können aber nicht damit aufhören? In meiner Praxis als Psychotherapeutin hatte ich oft mit Menschen zu tun, denen niemand ansehen konnte, welche versteckten Programme in ihnen abliefen.
Warmherzige Frauen offenbarten ihre Unfähigkeit zu lieben, ihren Neid auf andere etc. In ihrem Beruf erfolgreiche Männer gestanden ihr geringes Selbstwertgefühl ein. Wir alle haben damit zu tun. Es ist schön, dass es heutzutage Möglichkeiten gibt, unsere Mängel anzuschauen und sie im laufe der Zeit umzupolen. Brauchten wir früher viele Jahre dazu, nur um eine Kleinigkeit zu verändern, gibt es heute schon Methoden, die schneller zum Ziel führen. Das Ziel sollte ja sein, dass wir psychisch und physisch gesund leben können. Krankheiten weisen uns darauf hin, dass es etwas in uns anzuschauen gibt, dass wir uns auseinandersetzen mit falschen Glaubenssätzen, um sie umzugestalten. Die Entdeckung, plötzlich ganz anders mit den Dingen umgehen zu können, macht uns glücklich. Auf diese Art nehmen wir teil am großen Lebensfluss, können mitschwimmen darin. In den letzten Jahren bin ich durch das „Unglück meiner Krankheit“ auf so viele Erkenntnisse gekommen, dass ich dankbar bin, diese Erfahrung gemacht zu haben.

Wollen wir unsere eingeprägten Muster verlassen, um freier leben zu können, besteht die Möglichkeit, es in speziellen Therapien mit Hilfe von außen (einer/m Therapeuten) zu beginnen. Die Hauptarbeit jedoch besteht im Alltag. Hier werden uns ständig Situationen präsentiert, die uns auf das Alte stoßen, uns jedoch auch die Chance geben, Neues auszuprobieren. So wurde ich im Laufe meines Lebens mit zahlreichen „kleinen“Schwestern konfrontiert. Die meisten von ihnen waren genauso alt wie meine „ursprüngliche“ Schwester, hatten ähnliche Charaktereigenschaften, brachten mich in totale Konfliktsituationen. Was mir immer wieder passierte, war das Vergleichen, der größte Fehler, den wir machen können.
Beim Vergleich mit einem anderen Menschen schneiden wir entweder besser oder (eher) schlechter ab. Es geht jedoch darum, zu erkennen, dass wir einzigartig sind! Jeder Mensch wird mit einem Programm geboren, das nur er oder sie für die Welt bereit hat. Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Programm oder besser unseren inneren Kern zu erkennen und damit unseren Platz einzunehmen.

In der Konfrontation mit meiner letzten kleinen Schwester (wieder eine Stellvertreterin, versteht sich) gab es einen Durchbruch. Ganz deutlich erkannte ich das Muster, das mich bislang gehindert hatte, immer und überall ganz ich zu sein. Zum ersten Mal konnte ich mich behaupten, ohnbe mich wie sonst beleidigt, schmollend oder traurig zurückzuziehen. Es gab eine wunderbare Aussprache, die auch meiner Freundin gut tat, und ich fühlte mich frei.

Ich wünsche uns allen immer wieder Annahme der Situationen und neue Erkenntnisse.
Ein schönes Weihachtsfest, intensive Raunächte und ein glückliches neues Jahr uns allen!
Heidemarie im Dezember 2015

November 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als ich vor 30 Jahren das Buch“Fit fürs Leben“ von Harvey und Marilyn Diamond las, war ich schockiert und empört über die Dinge, die sie dort aufzeigten. Sie beschrieben, wie unterschiedliche Konzerne alles dransetzten, um unsere Lebensmittel zu entkräften.Zucker, Mehl, Reis, Salz u.a.wurden von ihrem Nährstoff befreit und als tote Materie verkauft. Die Beweggründe dahinter sollen hier keine Rolle spielen. Laut der beiden Autoren ging es überwiegend um Profitgier und Kleinhaltung der Menschheit.
Damals stellte ich meine gesamte Ernährung das erste Mal um, wurde Vegetarierin und achtete auf gesunde Kost.

Heute geschieht etwas Ähnliches für mich. Das Buch „Wasser- das größte Gesundheitsgeheimnis“ von Dr.Paul Bragg und Dr. Patricia Bragg fiel mir in die Hände und öffnete mir die Augen über das, was Wasser in uns anrichten kann.Paul Bragg beschreibt zu Beginn des Buches, wie sein Großvater, der auf einer Farm in gesunder Umgebung lebte, eines Tages mit Anfang 60 einen schweren Schlaganfall erlitt, von dem er sich nicht wieder erholte.In seinen späteren Studien erkannte Dr. Bragg, dass die Erkrankung und der anschließende Tod seines Großvaters u.a. an der Härte des Wassers gelegen hatte, das aus dem eigenen Brunnen kam. Hartes Wasser verkalkt unsere Arterien und kann zu Schlaganfällen oder Herzinfarkten führen.

Als ich vor zwei Jahren im Krankenhaus lag, wurde ich angehalten, täglich mindestens drei Flaschen Mineralwasser zu trinken, auch das – nach
Dr.Bragg- ein Gift, das unseren Körper zerstört. Anorganische Mineralien können von unserem Körper nicht verarbeitet werden. Darum sollten wir
Obst- und Fruchtsäfte (frisch gepresst am besten) trinken, weil die anorganischen Mineralien von den Pflanzen in organische verwandelt werden, die sehr gut für unseren Körper sind. Außerdem sollten wir destilliertes Wasser zu uns nehmen!
Soweit der Forscher, der Wissenschaftler, der unserer Zeit um 100 Jahre voraus ist, wie er sagt.Würden sonst die vielen Mineralwasser auf dem Markt sein und von uns gekauft werden? Diesmal handelt es sich eher um Unwissenheit und nicht nur um Profitgier, glaube ich.

Meine neue Ärztin, die wieder einmal- wie so viele Dinge in meinem Leben – im rechten Augenblick mir zugespielt wurde, betreibt Uraschenforschung für Krebs und andere Krankheiten. Sie hat mir ein Programm zusammengestellt, in dem Wasser eine große Rolle spielt, das richtige Wasser, versteht sich.

Wir leben in einer spannenden Zeit, in der Dinge umgestoßen werden, die schon solange Bestand hatten. Vieles wird hinterfragt, neu angeschaut und erfordert eine komplette Änderung, wenn wir zufrieden, gesund und glücklich leben wollen.

Dazu passt das ganz große wichtige Thema der heutigen Zeit, das mit Religion oder besser Spiritualität zu tun hat, wobei Spiritualität als Erweiterung unserer kleinen materiellen Welt gesehen werden kann.
Religion, in der uns jahrhundertelang eine Macht übergestülpt wurde, die uns Angst machte – ein übermächtiger Gott drohte mit Vergeltung, falls wir nicht spurten- wurde von den Aufklärern einfach abgeschafft. In dieser gottlosen Zeit fielen viele Menschen in einen Zustand innerer Leere, die sie irgendwie zu füllen suchten. Das meiste fand im Außen statt.

Heute spüren wir, dass etwas Neues geschieht, wir geführt und getragen werden, wenn wir uns öffnen für eine neue Welt. Die geistige Welt mischt sich ein, wenn wir bereit dafür sind.

In meinem eigenen Leben werde ich ständig mit Dingen konfrontiert, die ich manchmal nicht sofort verstehe, die jedoch bei näherem Anschaun Sinn machen und genau in die Situation passen. Auch Krankheiten und andere „negative“ Erfahrungen können uns in etwas hineinführen, das unbedingt angeschaut werden will, weil es uns transformieren kann. Und letztlich geht es für uns darum: bewusst in jedem Augenblick wahrzunehmen, wie wir mitschwimmen in dem göttlichen Lebensfluss. Die kleinen Alltagsgeschehnisse, wozu auch unsere Ernährung, unser Miteinander, unser Gespür für das Sein zählen, machen uns wach und lassen uns wachsen!

Eine schöne Zeit wünscht Heidemarie im November 2015

September 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

60 Millionen Menschen sind unterwegs – ohne Besitz, ohne Geld, ohne Wohnung! Sie sind auf der Flucht und suchen Schutz und Hilfe bei ihren Mitmenschen. In einigen Ländern werden sie mit offenen Armen empfangen, willkommen geheissen, unterstützt und beschenkt. Was für eine Wende im Umgang miteinander! Die Helfenden tun dieses aus dem Herzen heraus. Manche erinnern sich an ihre eigene Flucht oder denken an die Flucht ihrer Eltern, über die sie so viel gehört haben. Sie wissen, wie schwer und mühselig das Leben auf der Flucht sein kann und wie schrecklich der Verlust des gesamten Besitzes, der Freiheit und des angenehmen Lebens.
Die Helfer fühlen Empathie, wollen mit anderen teilen, von ihrem Reichtum abgeben! Die Beschenkten sind überaus dankbar, freuen sich über soviel Hilfsbereitschaft.

An dieser Stelle möchte ich meine eigene Erfahrung einbringen, denn  auch ich lebe seit fast 20 Jahren ohne eigenes Geld, ohne eigene Wohnung, mit wenig Besitz. Bei mir liegt kein Notfall vor. Meine eigene Flucht geschah vor 70 Jahren, und ich habe mich längst von ihr erholt. Aber dieses Erlebnis aus meiner frühen Kindheit prägte mein Leben. Auch damals gab es Menschen, die aus dem Herzen halfen, die teilen wollten so gut es ging. Dennoch wurde ich lange nicht das Gefühl los, ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Damals war es ein Makel, zu den Flüchtlingen zu gehören! Im Laufe meines Lebens habe ich daran gearbeitet, dieses negative Gefühl in ein positives zu verwandeln. Ich habe mir und der Welt bewiesen, dass ein Mensch wertvoll ist und in Würde leben kann, auch wenn er das ohne Besitz und materiellen Reichtum tut.

Wenn ich an die heutigen Flüchtlinge denke, fällt mir ein, dass es unbedingt notwendig ist, sie von Anfang an in Augenhöhe zu holen, ihnen zuzutrauen, dass ihre Fähigkeiten eine Gesellschaft bereichern können. Sie sind nicht gekommen, um uns etwas wegzunehmen, denn aus eigener Erfahrung weiss ich, dass jeder Mensch auch geben möchte.
Allerdings braucht es Möglichkeiten dafür. Ich habe mir überlegt, dass das „Gib&Nimm Prinzip“ hier greifen könnte. Eine Liste müsste erstellt werden mit den Angeboten der Talente der neu Hinzugekommenen. Sicherlich verfügen viele über handwerkliche Qualitäten, über Mechaniken, über medizinisches Knowhow, über musische Talente, über
Hauswirtschaftliches, Pädagogisches und vieles mehr.

Als wir damals in der Dortmunder „Gib&Nimm Zentrale“die Menschen nach ihren Fähigkeiten befragten, gab es einige, die erstmal mitteilten, dass sie nichts Spezielles könnten und eigentlich gar nicht auf die Liste gehörten. Bei fast allen konnten wir allerdings im Anschluss an die Befragung mehrere Dinge vermerken. Z.B. kochen, backen, Blumen arrangieren, gut mit Tieren umgehen, Fahrrad reparieren, als Chauffeur
fungieren und vieles mehr. Unsere Liste umfasste mehrere Seiten. Von allem gab es etwas. Genauso könnte es mit den Eingereisten geschehen, wenn sie erstmal in einer festen Unterkunft wohnen.

Von den Medien erfuhr ich schon Beispiele für dieses neue Miteinander. Ein paar Menschen bieten ihre Häuser für ein Übergangswohnen an, natürlich ohne Miete zu erwarten. Dafür helfen die „Mieter“ im Garten, im Haus, reparieren und bringen sich ein, so gut es geht. Beide Parteien spüren die Bereicherung und sind glücklich darüber. Aus einer Gemeinde erfuhr ich, dass sich unterschiedliche Gruppen gebildet haben. Da wird afrikanisch oder arabisch gekocht, eine Fahrradwerkstatt wurde eingerichtet und eine Nähstube.
Ein junger Mann in einer deutschen Kleinstadt kam auf die Idee, von einem Bauern ein Stück Land zu pachten, auf dem er mit den Vätern und Kindern eines Asylantenheimes einen Abenteuerspielplatz baut und ein Stück Land zum Gärtnern den Frauen überlässt. Er selber ist glücklich über die intensiven Kontakte und über die Möglichkeit, sich mit neuen
Sprachen zu befassen.

Meine Überlegungen gehen noch einen Schritt weiter: gäbe es jetzt nicht eine Chance, ein ganz neues System einzuführen? Ein Miteinander ohne Geld? Mir erscheint so eine Gesellschaft durchaus erstrebenswert. Die Menschen wachsen in etwas Neues hinein. Geistige Werte lösen die jetzigen materiellen ab. Es gilt nicht mehr, besser sein zu wollen als die anderen sondern über unsere Gleichwertigkeit nachzudenken und sie
zu leben. Ganz andere Dinge stehen im Mittelpunkt als die heutigen. Die Menschen merken, wieviel einfacher ein Sein ohne zuviel Ballast, ohne Konkurrenz und das sich ständig mit anderen Vergleichen ist. Ein Leben ohne Geld hat so viele Vorzüge, dass ich gleich drei Bücher darüber geschrieben habe.
Ein „Umdenken“ könnte schrittweise erfolgen und nur mit den Menschen, die dieses Experiment ausprobieren wollen, denn auch hier darf es keinen Zwang, kein Überstülpen oder andere Machenschaften geben, die zu einem anderen Leben führen sollen.

Zu Beginn von „Gib&Nimm“ schrieb ich einmal an den Oberbürgermeister von Dortmund, um ihm meinen Plan vorzustellen: Die Stadt gibt Überflüssiges (z.B. Theater- oder Kinokarten, auch schon mal Tickets für Busse, die nicht ausgelastet waren und ständig leer durch die Gegend fuhren) kostenfrei aus und „gib&nimm“ bietet notwendige
Arbeiten dafür an: die Sauberhaltung der Bushaltestellen z.B. oder den Empfang von
Menschen auf dem Bahnhof, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.
Wir hatten viele Ideen, aber sicher fand der OB das alles nur spinnert und nicht ernst zu nehmen.

Die Zeiten haben sich geändert, und ich glaube, dass wir gemeinsam nach neuen Wegen suchen sollten!

Einen angenehmen Herbst wünscht Heidemarie im September 2015

P.S. Meine Flucht damals im Jahr 1944 ging aus von Memel in Ostpreussen, dem heutigen Klaipeda in Litauen. Vor einem Monat erhielt ich eine Einladung von der dortigen Universität für einen Vortrag über mein geldloses Leben und meine Philosophie dazu. Sie laden Menschen ein, die in Klaipeda(Memel) geboren wurden und durch irgendetwas bekannt geworden sind. So schließt sich für mich ein Kreis!

August 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

heute vor genau vier Wochen fasste ich einen Entschluss, der mich im
ganzen letzten Monat glücklich machte. Ich wurde vegane Rohköstlerin.
In den letzten Jahren hatte ich schon so einiges von meinem
Speiseplan gestrichen. Süssigkeiten, mit denen ich mich oft
vollgestopft hatte, verschwanden von meinem Essplan, auch tierische
Milchprodukte gab es nicht mehr. Hauptkost wurde Obst und Gemüse,
nicht unbedingt im rohen Zustand.
Im Zuge meiner Heilungsversuche hatte ich eine Menge Bücher über
„richtige“ und „falsche“ Ernährung bei einer Krebserkrankung gelesen,
die sich zum Teil widersprachen.Manchmal war ich ganz schön
durcheinander, bemühte mich jedoch um einen ausgeglichenen
Speiseplan.

Als ich vor vier Wochen auf einer meiner „Gesprächsrunden- Reisen“
die energiegeladene Catrin in Würzburg traf und von ihr erfuhr, dass
ihr blendendes Aussehen mit ihrer Ernährungsweise zu tun hat, horchte
ich auf.
Ich wusste, dass Krebszellen sich von Zucker und Kohlenhydrate
ernähren, versuchte permanent, diese wegzulassen, was jedoch nicht
gelang. Jetzt witterte ich eine neue Chance, die ich unbedingt
wahrnehmen wollte. Also begann ich am selben Tag mit einer
Wassermelonen- Kur. In den drei Tagen bei Catrin las ich einiges über
Rohkost und war begeistert. Das wollte ich ausprobieren und
erforschen, wie ich mich dabei fühlen würde.
Allerdings räumte ich ein, dass es für mich keine unumschränkte
Absolutheit geben sollte. Falls mich mal Heisshunger für irgendetwas
überfallen sollte, würde ich darauf eingehen. Mangel und Defizit
sollte es nicht in meinem Leben geben.

In der nächsten Wohnung bei Gabriele gab es zwei Rohkostbücher mit
wunderbaren Rezepten. Einige davon probierte ich aus und überraschte
damit auch meine Gastgeberin. Ich muss sagen, dass ich mich während
der ganzen Zeit beschwingt fühlte, leicht, aber durchaus tatkräftig
und voller Energie. Obwohl ich unter ständigen Schmerzen in den
Beinen und im Rücken litt, hatte ich eine Bombenlaune!
Gestern nun ging ich meinem ersten Gelüste nach. Mit einer Freundin
besuchte ich eine Pizzeria und beschloss, statt eines Salates eine
richtige knackige Pizza zu essen. Wie ich das geniessen konnte! Sie
schmeckte vorzüglich, eine Gaumenfreude vom Feinsten. Kaum hatten wir
die Pizzeria verlassen, begann das Dilemma: Ich fühlte mich dermaßen
schlapp, musste mich zur Wohnung schleppen, wo ich sofort ins Bett
fiel.
Dieses „Experiment“ war durchaus gelungen, konnte ich doch ad hoc
feststellen, was Nahrung mit uns macht. Obwohl ich später die
bekannten Salate und Nüsse nachreichte, wollte sich mein Körper nicht
so schnell beruhigen. Als ich heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich
wie nach einer durchzechten Nacht, immer noch schlapp, mit brennenden
Augen und verstärktem Schmerz. Dennoch bereue ich nicht, mir dieses
Essvergnügen gegönnt zu haben. Deutlicher hätte das Ergebnis gar
nicht sein können!

Inzwischen sind ein paar Tage vergangen, und mein Körper hat sich wieder beruhigt. Bei meinem jetzigen Besuch bei meiner Tochter stoße ich auf neue Heilungsvorschläge, die mir sehr gefallen. Meine Tochter hat für sich und ihre chronischen Rückenschmerzen bestimmte Einlegesohlen in den Schuhen entdeckt, die sie zwingen, aufrecht zu gehen.
Eine aufrechte Haltung kann das Selbstwertgefühl nur unterstützen, sage ich mir und lege mir auch solche Sohlen in die Schuhe. Vielleicht helfen sie mir bei der Schmerzbefreiung. Für alles bin ich offen und freue mich darüber.
Vor ein paar Tagen sah ich in einer Dokumentation etwas über verschiedene
Körperhaltungen. Einige Testpersonen nahmen unterschiedliche Haltungen ein
vor einer schweren Aufgabe. Diejenigen, die einige Zeit in der Angsthaltung standen: Arme um den Oberkörper geschlungen, Kopf gesenkt, wagten den Bungiesprung nicht, während die anderen in der Siegespose: Arme hochgestreckt, Kopf aufrecht nach vorn gerichtet, sich mutig in die Tiefe stürzten. Fazit dieser Sendung war u.a.der Ratschlag, diese Pose einzunehmen vor jeder schweren Aufgabe.
So habe ich mir vorgenommen, mindestens einmal täglich mich vor den Spiegel zu stellen und meinem Körper zu signalisieren, dass er nun geheilt ist, wirklich und wahrhaftig.

Als ich neulich an der wunderschönen Wildblumenwiese vorbeikam, blieb ich
fasziniert davor stehen, bewunderte die bunten, so verschiedenen Blumen,
die ein harmonisches Miteinander ausstrahlten und dachte an uns Menschen.
Auch wir verfügen über eine Vielfalt, eine Buntheit, die unser Miteinander
schmücken können, wenn wir uns gegenseitig tolerieren und respektieren.
So habe ich in den letzten beiden schweren Jahren gelernt, alles was
auf mich zukommt, positiv zu begrüssen, Dinge anzunehmen und auszuprobieren. Ich
lerne die Vielfalt kennen, die mein Leben würzt.

Heute erhielt ich eine Mail einer Freundin, die mir mitteilte, dass gerade die Schleusen von Fukishima geöffnet wurden und radioaktives Wasser in das Meer geleitet wird. Seit ein paar Wochen habe ich in meine tägliche Friedensmeditation zwischen 19.00 und 19.30 Uhr eine Sequenz eingebaut, in der ich für Mutter Erde bete, besonders für die Reinigung aller Gewässer.
Es wäre schön, wenn sich noch mehr Menschen anschliessen könnten, denn jede Fürbitte erhöht die Möglichkeit einer Reinigung und Heilung. Wir alle zusammen können viel erreichen.

Noch ein paar schöne Sommertage wünscht Heidemarie im August 2015

Das Sterntalerexperiment

Das Sterntalerexperiment- Mein Leben ohne Geld

Ab heute ist auch (der internationale Bestseller) „Das Sterntalerexperiment- Mein Leben ohne Geld“ mit der ISBN 9783738622850 als Handbuch (Paperback) und E-Buch mit der ISBN 9783739274737 wieder in den Buchläden und online erhältlich ! Klicken Sie hier für BoD >

 

sterntalerexperiment

Beschreibung:

Seit 1996 lebt Heidemarie Schwermer ohne Geld. Schritt für Schritt ist die ehemalige Lehrerin und Psychotherapeutin aus den bestehenden Strukturen ausgestiegen und in eine neue Freiheit hineingewachsen. Ihr Buch ist nicht nur die Beschreibung eines intensiv und engagiert gelebten Lebens, sondern zugleich eine Ermutigung, unser Wertesystem zu überdenken und alternative Formen des Miteinanders zu wagen.

 

Inhalt
ERSTER TEIL
1 Lehr- und Wanderjahre 7
Das Versprechen • Das Internat – ein Schritt in die Freiheit • Studium – eine neue Welt • Theorie und Praxis • Karneval in Rio • Santiago de Chile – Tor in eine andere Welt • Erinnerung an ein Versprechen • Das Kunsthaus – eine ideale Lebensform • Eine Tür wird geöffnet • Der Weg nach innen • Ein Schritt nach vorn • Meine Kinder flippen aus • Ganz unten • Umzug in die Großstadt • Schulung in Spiritualität
2 Die »Gib-und-Nimm-Zentrale« 51
Eine zündende Idee • Der Beginn von »Gib-und-Nimm« • Das erste gemeinsame Treffen • Die erste Liste • »Gib-und- Nimm« und das Geld • Verrechnungen • Konflikte • Kon- fliktlösungen • Die »Gib-und-Nimm«-Feste • Ein Haus für »Gib-und-Nimm«
3 Das Experiment geht weiter 82
Mein Leben ohne Geld • Abschied vom Besitz • Ohne Krankenversicherung • Das erste »fremde« Zuhause • Mein täglich Brot • Kleidung • Wunder • Post und Telefon • Erster Aufbruch • Reisen • Probleme • Die Medien merken auf
4 Dialoge und Diskussionen 116
Ein Leben ohne Geld. Von Carsten Günther • E-mail-Austausch mit Rudi Eichenlaub

ZWEITER TEIL
5 Abenteuer Alltag 144
Menschen • Familienanschluss • Tiere • Pflanzen • Gesucht und gefunden • Einsamkeit • Vorträge • Alternative Projekte • Kultur • Putzen • Ungeduld • Einbrecher
6 Märchen werden wahr 181
Sterntaler • Loslassen • Neue Werte • Gottvertrauen • Vom Geben und Nehmen • Spiegelungen • Gedankenkraft • Das hässliche Entlein • Sichtweisen • Annehmen • Das Paradies • Angekommen
7 Zukunftsvisionen 214
Auszüge aus meiner Homepage • Die Politikerin • Der Langzeitarbeitslose • Umpolung • Dankbarkeit • Pioniere • Lebensmodelle • Lektionen • Geldsorgen • Träume • Mitteilungen • Was nun? • Weitere Pläne • Politik der kleinen Schritte • Ein paar Ratschläge für unterwegs
8 Blick über den Tellerrand 251
Das neue Geld der Armen. Von Romeo Rey (Buenos Aires)

LESEPROBE

KAPITEL 1
Lehr- und Wanderjahre

Das Versprechen
Zu meinem zweiten Geburtstag bekam ich eine Puppenstube. Meine Freude muss groß gewesen sein, jedenfalls sehe ich mich noch heute begeistert durchs Zimmer springen und lachend in die Hände klatschen. Meine beiden älteren Brüder, meine Mutter und Ella, das Kindermädchen, freuten sich gut gelaunt mit der Kleinen. Wir lebten damals in Memel, wo mein Vater eine Kaffeerösterei hatte. Gehabt hatte. Jetzt war er schon länger fort, im Krieg, sagten die Großen.
Mir waren nur wenige glückliche Monate mit meinem kleinen Spielzeugreich vergönnt. Im Sommer 1944 spürte ich im Haushalt eine Unruhe, die mir zunächst unerklärlich blieb. Erst verschwand die heißgeliebte Puppenstube auf dem Dachboden, dann wurden alle Möbel im Haus mit Decken verhängt. Mutter und Großmutter begannen, verschiedene Sachen für eine Reise zusammenzupacken. Nur das Nötigste, versicherten sie einander, wir kommen doch bald zurück. Und dann stand wieder einmal das Pferdefuhrwerk bereit, mit dem wir schon so manchen Sonntag fröhlich aufs Land kutschiert waren. Aber die Stimmung war diesmal eine andere. Mutter weinte und meine Brüder waren ungewohnt schweigsam. Und noch etwas war anders als sonst: Die Straßen waren voller Menschen mit Pferd und Wagen. Wir reihten uns in die Kolonne ein und ab ging’s.
Ich verstand nicht, was da passierte. Aber ich hatte Angst und fing an zu weinen. Meine Mutter konnte sich nicht richtig um mich kümmern, sie hatte genug mit meiner kleinen Schwester zu tun, die damals sterbenskrank war und trotzdem aus dem Krankenhaus geholt worden war. Keiner hatte Zeit für mich. Mir war kalt. Ich hatte Hunger. Ich war nicht mal drei Jahre alt und wollte nach Hause zurück, in mein warmes Bett, zu meinen Kuscheltieren. Als meine Mutter meine Not bemerkte, versuchte sie mich zu trösten. »Pscht, meine Kleine, alles wird gut«, flüsterte sie. Aber ich spürte, dass gar nichts gut werden würde, auch nicht am nächsten Tag oder am übernächsten. Den Pferdewagen gaben wir später irgendwo ab und fuhren mit der Bahn weiter. Die Züge waren überfüllt, kalt und ungemütlich. Die Reise war beschwerlich und nicht ungefährlich. Meine Mutter schnappte sich bei jedem Halt einen großen Kochtopf und rannte zu den an der Strecke gelegenen Bauernhäusern, um etwas Essbares für ihre vier Kinder und Großmama zu erbetteln. Diese Ausflüge waren für uns jedesmal eine Tortur, wir wussten nie, ob die Mama rechtzeitig zurück sein würde. Einmal fuhr der Zug tatsächlich ohne sie los, wir schrien aus Leibeskräften, aber ob unsere lautstarke Verzweiflung oder irgendwelche anderen Gründe die Waggons wieder zum Halten brachten, weiß ich bis heute nicht.

Ein paar Mal mussten alle sehr schnell aussteigen und unter den nächststehenden Bäumen Schutz suchen. Der Himmel war dann plötzlich voller Flugzeuge, die nicht nur den Zug beschossen, sondern auch die Menschen. Nach jedem dieser Angriffe wuchs die Angst. Wir wussten: Einige Mitreisende lagen tot an der Strecke. Manchmal blieb der Zug stundenlang stehen, ganze Ewigkeiten, und keiner wusste, wann und ob es weitergehen würde.
Inzwischen hatten wir ein paar Tausend Kilometer zurückgelegt, von Ostpreußen bis nach Süddeutschland und dann wieder ein Stück Richtung Norden. In Verden an der Aller war die lange Reise vorerst zu Ende. Die örtlichen Familien hatten sich am Bahnhof versammelt, um uns in Empfang zu nehmen. Wir waren Flüchtlinge, das hatte ich endlich begriffen, und die Menschen, die hier wohnten, mussten uns aufnehmen, ob sie wollten oder nicht. Viele wollten nicht und ließen uns das deutlich spüren. Sie waren verärgert, weil sie mit den besitzlosen Fremden, die der Krieg hierher verschlagen hatte, teilen sollten. Wir allerdings hatten Glück: Der Bauer, der uns mitnahm, war ein guter Mensch; er und seine Frau verwöhnten uns Kinder nach Kräften. Zu Ostern durften wir Eier suchen und ein paar Wochen lang gab es für alle reichlich zu essen. Mutter und Großmutter halfen den Gastgebern bei der täglichen Arbeit. Es war ein Tauschen und Teilen, Geben und Nehmen in freundlicher Atmosphäre, und fast hätte ich darüber das Leid der vergangenen Monate vergessen.
Aber der Krieg war noch nicht vorbei und Mama machte sich Sorgen um die Verwandtschaft. Sie hatte erfahren, dass der Rest der Familie in Schleswig-Holstein gelandet war und wollte nun unbedingt auch dorthin. Vergeblich versuchten die netten Bauern, uns zum Bleiben zu überreden. Die Reise ging weiter. Die Verwandten fanden wir dann auch, aber mit dem Geben und Nehmen machten wir diesmal andere Erfahrungen. Nur widerwillig wurden wir von einer Bauernfamilie aufgenommen, mehr als eine kleine Kammer war nicht für uns übrig. Wir waren ihnen lästig und fühlten uns überflüssig und armselig. Wir hungerten, wieder einmal. Der Krieg ging zu Ende, die alte Heimat war endgültig verloren, ein Zurück gab es nicht. Wie viele andere Leidensgefährten mussten wir uns in der neuen Situation einrichten, irgendwie. Um unseren Hunger zu stillen, sammelten wir auf den Feldern übriggebliebene Ähren und später Kartoffeln. Oft zog die ganze Familie mit Körben und Eimern in den Wald, um Beeren zu suchen.
Die Bauern, bei denen wir wohnten, teilten nicht mit uns. Die köstlichen Düfte, die das Haus durchzogen und bis in unsere Kammer drangen, machten uns zwar den Mund wässe- rig, aber leider nicht satt. Schließlich nahm meine Mutter eine Stelle als Feldarbeiterin auf einem Gut an, für ein bisschen Butter und Milch. Nebenbei gab sie den Bauerntöchtern der Umgebung Klavierunterricht. Entlohnt wurde sie in kostbaren Naturalien: Kartoffeln, Brot, Eier und Mehl. Irgendwann kehrte mein Vater aus dem Krieg zurück, kam zu uns nach Norddeutschland und fing sofort mit den Planungen für eine eigene Firma an. Ganz langsam entstand wieder so etwas wie ein »normaler« Alltag. Aber die Erfahrungen der vergan genen Jahre waren nicht spurlos an mir vorübergegangen. Ich war ein stilles, nachdenkliches Mädchen mit viel Phantasie.

Als ich in die Schule kam, war ich wild entschlossen, ganz schnell Lesen zu lernen. Als ich es konnte, öffnete sich mir ein völlig neue Welt. Mein erstes eigenes Buch war ein Mär- chenbuch mit dicken, holzigen Seiten. Mit diesem Schatz hockte ich oft in meiner Blätterhöhle, die ich mir in einer Hecke gebaut hatte. Ein Platz für mich und für die Prinzessin-nen und Prinzen aus dem Märchenbuch, mit denen ich hier Stunden und Tage verbrachte, ganz und gar versunken in eine Welt, die mir gerechter und besser erschien als die wirkliche. Hier in meiner Höhle holte ich mir Kraft und entwickelte erste eigene Vorstellungen, wie das Leben sein könnte– sein sollte, wenn es nach mir ginge. Ich war sehr davon beeindruckt, dass in fast jeder dieser Geschichten das Böse besiegt wird und die Liebe triumphiert. Ja, so eine Welt wollte ich auch.
Stattdessen hatte ich erfahren müssen, dass Menschen auf andere Menschen schießen, dass die einen den anderen alles wegnehmen und dass die, die genug haben, denen, die hungern, nichts abgeben. Warum musste ich meine Spielsachen zurücklassen und monatelang in kalten Zügen hungernd und frierend durch Gegenden fahren, in denen Tote am Wegesrand lagen? Warum wurde ich jetzt, nur weil ich ein Flüchtlingskind war, als Lumpenpack beschimpft und ausgelacht, weil ich keine richtigen Schuhe besaß, sondern nur welche aus Holz? Wer sollte das verstehen? Und vor allem: Was hatte ich in einer solchen Welt verloren? Ich glaube noch heute, dass Märchen symbolischen Charakter haben. Und ich weiß, dass jeder einzelne Mensch dazu beitragen kann, diese Erde schöner und lebenswerter zu gestalten. Geahnt haben muss ich das wohl schon damals, in meiner einsamen Märchen-Blätterhöhle. Jedenfalls sehe ich es noch genau vor mir, wie das kleine traurige Flüchtlingsmädchen sich selbst ein großes Versprechen gab: »Ich werde alles dafür tun, an einer schönen Welt mitzuwirken. In dieser Welt soll es keine Kriege mehr geben. Und jeder Mensch soll in Würde leben.«

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KAPITEL 2
Die »Gib-und-Nimm-Zentrale«
Eine zündende Idee
Eines Morgens hörte ich im Radio einen Bericht über einen Tauschring in einem Dorf in Kanada. Der Ring war entstanden, nachdem die einzige örtliche Fabrik, die fast alle Fami- lien mit Arbeit versorgt hatte, pleite ging. Um ihr Überleben zu sichern, hatten sich die Bewohner zusammengetan und dieses Modell entwickelt, das, so simpel es klang, offenbar funktionierte: Jeder Einzelne gab seine speziellen Fähigkeiten in einen imaginären »Topf«, aus dem alle anderen sich bedienen konnten. Nach dem Motto »jeder kann was, was nicht jeder kann« entstand ein vielfältiges Angebot. Schreinern, gärtnern, mauern, massieren, Haare schneiden, backen, kochen, Kinder hüten, Auto reparieren – alles war drin im »Topf«, wurde gesammelt und verteilt. Wer eines der Angebote wahrnahm, musste es bei der allgemeinen Sammelstelle verbuchen lassen. Bezahlt wurde nicht wie üblich mit Geld, sondern die jeweiligen »Schulden« wurden mit dem jeweiligen »Guthaben« aus erbrachter Eigenleistung verrechnet.
In dem Bericht wurden Beispiele genannt, die das Prinzip verdeutlichten: Ein Mann repariert das Auto der Nachbarin. Dafür braucht er fünf Stunden, die ihm gutgeschrieben wer- den. Will er etwa seine Wohnung renovieren, holt er sich Hilfe von jemandem, der tapezieren, Teppiche verlegen etc. kann. Dadurch schrumpft sein Guthaben. Die Nachbarin mit dem Auto arbeitet unterdessen ihre »Schulden« ab, indem sie für andere Dörfler Kinder hütet.
Die Methode leuchtete mir sofort ein. Denn neben der Tatsache, dass hier ohne finanziellen Aufwand lebenswichtige Dinge erledigt werden konnten, entstand durch ein aus der Not geborenes Modell plötzlich ein lebendiges Miteinander. Zeit, die vorher für eintönige Fabrikarbeit draufgegangen war, stand jetzt für den Kontakt mit anderen Dorfbewohnern zur Verfügung. Zwei Fliegen mit einer Klappe, dachte ich und war begeistert. Das konnte die Lösung sein, nach der ich so lange gesucht hatte. Eine realistische Möglichkeit, zu einem menschlichen Umgang mit Armut und Isolation zu finden.
Aufgeregt erzählte ich meinen Freundinnen von dem kanadischen Experiment, und sie waren ebenso angetan wie ich von der Idee, ohne Geld über die Runden zu kommen. Allerdings wandten einige ein, dass derlei wohl nur auf dem Lande möglich sei, wo die Menschen einander ohnehin bes-ser kennen als in den großen Städten. Vielleicht hatten sie recht, aber ihre Skepsis hielt mich nicht davon ab, mit der Planung eines Tauschrings zu beginnen. Als erstes, soviel hatte ich immerhin schon kapiert, galt es, öffentliche Aufmerk-samkeit für mein Vorhaben zu gewinnen. Also schrieb ich eine Pressemitteilung etwa folgenden Inhalts:
»In unserer Gesellschaft herrscht in vielen Bereichen ein großes Ungleichgewicht. Betrachten wir zum Beispiel den Arbeitsmarkt, stellen wir fest, dass auf der einen Seite viele Men- schen überlastet und völlig erschöpft sind, und es auf der anderen Seite viele Arbeitslose gibt, die sich damit quälen müssen, ihre Tage einigermaßen sinnvoll zu gestalten. Beide Gruppen sind nicht gerade glücklich. Die einen vereinsamen,
weil sie keine Kräfte für irgendwelche Aktivitäten neben ihrer Arbeit haben, die anderen ziehen sich zurück, weil sie sich wertlos und nutzlos vorkommen und niemand sie braucht. Hier könnte Abhilfe geschaffen werden: Wenn diejenigen, welche viel Zeit zur Verfügung haben, diese mit jenen teilten, die keine haben, wäre beiden Gruppen geholfen. Ich möch- te meine Freizeit für die Gründung eines Tauschrings einsetzen, in dem Fähigkeiten, Dienstleistungen und Nutzgegenstände geteilt und getauscht werden können, ohne dass Geld dabei eine Rolle spielt. Auf diese Weise könnten sich alle alles leisten, die Diskrepanz zwischen Arm und Reich wäre aufgehoben und eine neue Form des sozialen Miteinanders erreicht. Da in unserer Zeit das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen gestört ist, werde ich den Tauschring ›Gib-und- Nimm-Zentrale‹ nennen.«
Mit diesem Text klapperte ich die Dortmunder Tageszeitungen ab, stieß auf Interesse, und schon am nächsten Tag erschienen überall Artikel über mein Vorhaben – mit einem Foto von mir.
Während ich über die Umsetzung meines Vorhabens nachdachte, fielen mir die Mitfahrzentralen ein, die es seit Jahren in jeder Stadt gab. Eigentlich war das Prinzip dasselbe: Für wenig Geld kauften Menschen, die nicht selbst fahren konnten oder wollten, sich für die Dauer einer Reise in ein fremdes Auto ein, dessen Besitzer wiederum erstens einen Teil seiner Aufwendungen für Benzin erstattet bekam und zweitens als Dreingabe Gesellschaft und Unterhaltung. Drittens wurde das Fahrzeug ökonomisch und ökologisch genutzt, indem es bei gleichbleibendem Spritverbrauch nicht nur einen Menschen ans Ziel brachte, sondern zwei, drei oder vier. Die Mitfahrzentralen wurden rege genutzt, manche Autofahrer reizte der Spaßfaktor, andere die Möglichkeit, Benzinkosten zu teilen.
Jedenfalls lagen diese Unternehmen genau auf meiner Linie. Teilen, Kontakte herstellen, Ressourcen sinnvoll nutzen. Im ganzen Land hatten Mitfahrzentralen sich durchgesetzt, ich stellte mir vor, dass die »Gib-und-Nimm-Zentralen« sich im selben Maße ausbreiten würden. Allerdings hatte ich nicht vor, davon zu profitieren. Ich wollte nur den Anstoß ge- ben, die ganze Sache in Schwung bringen und mich dann zurückziehen, um nach neuen Aufgaben zu suchen. Aber es sollte anders kommen.

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KAPITEL 3
Das Experiment geht weiter

Mein Leben ohne Geld
Ich war verärgert. Wieder einmal hatte ich mir von einem enttäuschten Mitglied anhören müssen, dass das Tauschen mit Fremden einfach nicht möglich sei. Die Leute, die sich auf die Gib-Liste eintrugen, hätten gar kein richtiges Interesse an der Sache, und überhaupt klappten die meisten Aktionen nicht.
Was konnte ich nur tun, um zu vermitteln, dass es sehr wohl möglich war, auf Fremde zuzugehen, mit ihnen zu tauschen und zu teilen, Spaß zu haben und sie am Ende zu Freunden zu machen? Wie war doch gleich das Erfolgsrezept der berühmten Pädagogen? Man muss seine Ideen leben, sie aus dem Kopf heraus- und in die Tat hineinnehmen! Wie wäre es, fragte ich mich, wenn ich meine Idee wirklich hundertprozentig leben und ganz aufs Geld verzichten würde? Wenn ich also ein Exempel statuierte, das vielleicht, hoffentlich, ein paar anderen Menschen Mut machen würde? Ach Quatsch!, dachte ich verzagt. Wie sollte das denn gehen. In einer Gesellschaft, in der nicht mal die Toilettenbenutzung gratis war. Am besten schlug ich mir die Vorstellung gleich wieder aus dem Kopf.
Aber der Stachel saß fest und stach immer mal wieder. Als eine Freundin, die Urlaub machen wollte, mich bat, unterdessen ihre Blumen zu gießen, kam ich wieder ins Grübeln. Wie wäre es wohl, meine eigene Bleibe aufzugeben und nur noch in Wohnungen anderer zu leben, während die gerade auf Reisen sind? Ich hätte keine Miete mehr zu zahlen, und die Wohnräume würden sinnvoll genutzt. Hmmm. Meine Freundin hatte mir ohnehin angeboten, ihr Heim zu nutzen, solange sie weg war. Nach dem Blumengießen setzte ich mich in ihr Wohnzimmer. Hübsch war es hier! Eine Weile saß ich ganz entspannt da. Aber plötzlich wurde ich nervös, sprang auf, packte meine Sachen zusammen und fuhr nach Hause. In mein Zuhause. Fehlanzeige!, dachte ich. Vergiss es! Jeder braucht ein Eckchen für sich allein, das weißt du doch!
Kurz darauf meldete sich eine Frau von »Gib-und-Nimm« und bat mich, für drei Tage ihren Hund zu betreuen. Morgens und abends musste Struppi Gassi geführt werden, tagsüber konnte er allein bleiben, aber nachts brauchte er jemanden um sich. Ich erklärte, dass ich in anderen Wohnungen immer unruhig würde, und meine Kundin empfahl eine Reini- gungsaktion mit Salbeistäbchen. Sie betonte, wie wichtig es sei, die Atmosphäre von fremden Energien zu befreien, und dass ich mich nach der Salbei-Prozedur überall wohl fühlen würde. Ich befolgte ihren Rat, schließlich war es ihre Wohnung, hielt das Räucherstäbchen in sämtliche Ecken und füllte die Räume nach und nach mit meinen eigenen Energien. Die drei Tage verliefen bestens, das vertraute Heimweh blieb aus, und Struppi wurde ein guter Kumpel.

Langsam sprach sich im Tauschring herum, dass Heidemarie Schwermer jederzeit bereit war, in verwaisten Wohnungen Rolläden runterzulassen, Blumen zu gießen, Vögel zu füttern oder auch zeitweise ganz einzuziehen. Allmählich übernahm ich die Rolle einer Haushüterin, und ich wusste inzwischen, was ich anstellen musste, um mich überall daheim zu fühlen. Die Idee, ganz ohne eigene Bleibe zu existieren, schien mir auf einmal gar nicht mehr so exzentrisch. Aber mietfrei zu leben wäre nur der erste Schritt in ein Dasein ohne Geld. Der andere monatliche Brocken war die Krankenversicherung. Und die konnte ich nun wirklich nicht aufgeben. Jeder brauchte eine Krankenversicherung. Oder nicht?
Der Zahnarzt spielte seit Jahren eine Hauptrolle in meinem Leben. Seit dem Umzug nach Dortmund machten mir meine Zähne, mit denen ich früher nie Probleme hatte, sehr zu schaffen. Ständig war ich in Behandlung und konnte es mir nicht erklären. An was biss ich mir da nur die Zähne aus?

 

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Juli 2015

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

als ich gestern den Artikel in der Zeitung las, dachte ich, es handele sich um eine Persiflage. Da hätten einige Reporter sich einen Aprilscherz mitten im Juli erlaubt. Die Überschrift lautete: Tschibo verkauft fünf Wochen lang Trauminseln! Ein Inselbesitz sei deswegen attraktiv, weil es keine Nachbarn gäbe, und überhaupt sei es ein Statussymbol.
Ob die Indianer damals, als sie ihr Kreuzchen unter Verträge setzten, die sie nicht verstanden und sich damit aus ihrem Paradies vertrieben, ähnlich gedacht hatten wie ich heute, kann ich nicht beurteilen. Auf alle Fälle weiß ich, dass sie niemals damit gerechnet hatten, dass Menschen sich anmaßen würden, sich die Erde Untertan zu machen und sie nach und nach zu zerstören, statt im Gleichgewicht mit ihr zu leben, wie die Ureinwohner es bislang gemacht hatten.
Auch die Nachricht der Wasserausbeutung von Nestle in der ganzen Welt klang für mich zunächst unglaubwürdig. Wie kann sich jemand erdreisten, die Erde nach Wasserreserven abzusuchen, das Wasser aus der Tiefe hoch zu pumpen, es in Flaschen abzufüllen und es für Geld zu verkaufen? In dem Film wurde gezeigt, wie die Einwohner auf der Strecke blieben, ohne Wasser, weil sie sich den Kauf der Flaschen nicht leisten konnten. Wir alle wissen um solche Ausbeutungen, haben uns mehr oder weniger darüber aufgeregt, eventuell versucht, Schlimmeres zu verhindern, meist ohne Erfolg. Die „Mächtigen“ sind mächtig, weil bislang alles mit Geld erreicht werden konnte. Geld regiert die Welt – dieser Slogan machte Karriere!

Doch gerade geschieht etwas, was sich ganz anders anfühlt. Immer mehr Menschen denken über Alternativen nach und handeln entsprechend.
Sogenannte Statussymbole wie Autos, große Häuser und andere Besitztümer sind keine mehr, weil die Menschen einfach auf sie verzichten.
Gemeinschaftliches Miteinander Wohnen ist gefragt, carsharing- ein Auto für viele, foodsharing – keine Verschwendung mehr. Frankreich schuf gerade ein neues Gesetz, in dem Wegwerfen von Lebensmitteln verboten wird, andere Länder folgen.

Das Miteinander ist gefragt, will aber auch geübt sein, denn Nachbarn sind oft nervig und zwingen zum Umzug! Das Gegeneinander, das bislang in Streit, ja, in Kriegen endete, sucht neue Formen. Wir leben in einer super spannenden Zeit, in der jeder Mensch zum Mitmachen aufgerufen wird. Die Zeit der Leibeigenschaft ist längst vorbei, die Hamsterräder werden gerade abgeschafft. Junge Leute leben vegan, weil sie ihre Freunde, die Tiere, schützen möchten. Auch die „Armen und Benachteiligten“ schaffen gerade neue Regeln, sind nicht mehr bereit, in Demut zu verhungern, versuchen, ihr Leben zu retten. Der riesige Flüchtlingsstrom schafft neue Strukturen.
Auch die Regierungen der sogenannten reichen Länder werden gezwungen, neue Strukturen zu schaffen. Wie können wir alles unter einen Hut bringen? Wie soll die „dritte Welt“ gleichberechtigt, die Schere zwischen Arm und Reich aufgelöst werden? Fragen über Fragen!
Herzöffnung ist angesagt! Ja, wie soll das dann gehen? Im Kleinen, jede bei sich, so nach und nach den Radius vergrößernd, Vernetzungen praktizierend und weitergebend, die bedingungslose Liebe entdecken, zu sich selbst, dem Nächsten und den ehemaligen“Feinden“. Ein wunderbares Betätigungsfeld, abenteuerlich und aufregend. Jede Situation kann Erkenntnisse bringen, wenn wir wach und aufmerksam sind. Krankheiten, Schmerzen, Unannehmlichkeiten – alles sind Lektionen, ja, Geschenke für uns, will uns weiterbringen in unserer Entwicklung. Auch die Zeit des ausgeliefert Seins geht dem Ende entgegen. Wir entdecken unsere Macht, sind mächtig, weil selbstbestimmt. Kritik, die uns früher zerstört hätte, können wir heute als Pegel für unsere Stabilität nehmen, uns über sie freuen, an ihr lernen und dankbar sein.

Gerade heute wird uns eine globale Übung präsentiert. Griechenland wird am heutigen Sonntag in einem Referendum eine Entscheidung treffen für die nächsten Schritte. Ja oder nein soll auf einem Wahlzettel angestrichen werden. Stimmen wurden laut, die nicht verstehen, warum das Volk so eine folgenschwere Entscheidung selber treffen soll, es wäre doch viel eher Aufgabe der Politiker. Für mich wieder ein Zeichen, dass es in Zukunft nicht mehr darum geht, dass die sogenannten Mächtigen, die Politiker allein fürs Volk entscheiden, sondern dass jeder Einzelne gefragt ist, sich Gedanken machen muss über die nächsten Schritte auch im politischen Bereich. So wird die heutige Entscheidung nicht nur ein Volk betreffen sondern die ganze europäische Gemeinschaft. Vielleicht bricht etwas auseinander oder eine neue Solidarität entsteht – wer weiß, was geschieht.
Vielleicht werden Schulden erlassen oder der Gürtel noch enger geschnallt.
Alles ist möglich und bleibt spannend.

Als ich vor 20 Jahren die „Gib&Nimm Zentrale“ in Dortmund gründete und mir Gedanken über nötige Regeln machte, entschloss ich mich, den Kosmos mit einzubeziehen, auf Formen der Abrechnung zu verzichten, einen Ausgleich der tauschenden und teilenden TeilnehmerInnen mit Hilfe der geistigen Welt zu schaffen.
Heute geht es mir darum, in Zukunft die Weite spürbar zu machen, unser Dasein auf eine andere Ebene zu bringen, die Wunder für alle erlebbar werden zu lassen. So können wir ganz im Vertrauen leben, unsere Ängste abbauen, uns gegenseitig wohlwollend begegnen und uns in der Liebe einpendeln.

Herzlich Heidemarie im Juli 2015

Juni 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mein Hauptthema in den letzten Monaten ist nach wie vor die Vertiefung
und Hingabe. Was kann ich dazu beitragen, dass unser Miteinander intensiver und wohlwollender wird. Jahrelang habe ich meine Impulse über die Medien, über Vorträge, Filme und Texte in die Welt gebracht.
Jetzt merke ich, wie ich nach neuen Formen suche und glaube, eine gute gefunden zu haben, wie ich es schon im Februar diesen Jahres beschrieben
habe:
Mein Buch „Das Sterntalerexperiment II- mein Weg nach Innen“ dient mir als Basis für die neue Herangehensweise. Es ist inzwischen mein „Arbeitsbuch“, das ich voller Freude mit auf meine Reisen nehme. Mein jetziges Publikum besteht aus maximal 20 Personen. Für jede Gruppe suche ich eine entsprechende Geschichte als Basis heraus, die ich vorlese und aus der eine allgemeine gemeinsame Gesprächsrunde entsteht. Mir ist es wichtig, dass jedeR zu Wort kommt, sich öffnen kann und vertrauensvoll eigene Gedanken in die Runde gibt ohne Angst vor Missbrauch oder Missachtung.

Ich erinnere mich daran, dass ich früher als junge Frau in Situationen geriet, in denen ich mich missverstanden fühlte, nachdem ich mich geöffnet hatte vor ein paar Freundinnen. Ich glaube, das lag daran, dass wir in der damaligen Zeit noch zu sehr mit dem Vergleichen, mit der Konkurrenz beschäftigt waren. Denn auch ich konnte nicht einfach stehen lassen, was mir anvertraut wurde, sondern urteilte darüber,ja, verurteilte das eine oder andere.
Ich glaube, dass wir in einer neuen Zeit angekommen sind, in der wir anders mit den Dingen umgehen können, einen wohlwollenden Blick auf das Gegenüber haben und auch schon mal intime Dinge aussprechen können. Bei mir persönlich merke ich, wie wunderbar das im Zweiergespräch geht, wie schnell sich eine Vertrautheit einstellt und ein Gefühl der Liebe entsteht.
Jetzt wünsche ich mir, dass auch in kleinen Gruppen diese Vertrautheit entstehen kann ohne Wenn und Aber. Schaffen wir es, unser Ego zu verkleinern, können wir aufgehen im neuen Wir.

Die Auseinandersetzung mit dem Ego hat mit Bewusstseinsarbeit zu tun, für die wir uns bereit erklären sollten. Es ist nicht einfach, alte Verhaltensmuster aufzugeben, ja, manchmal ist es Schwerstarbeit, aber letztlich lohnt es sich!
Um in ein liebevolles Miteinander zu kommen, brauchen wir ein umfassenderes Weltbild, das Wissen darum, dass wir alle aus derselben Quelle stammen und somit eine einzige Familie darstellen. Daraus ergibt sich die Öffnung auch für „Fremde“. Durch das Internet gibt es eine Chance, sich zugehörig zu fühlen und sich miteinander zu verbinden. Tausende von jungen Leuten unterstützen sich schon gegenseitig über das Internet.

Da ich mich als „Alltagsmenschen“ verstehe, ist es mir wichtig, das physische Treffen, sozusagen Auge in Auge herzustellen.

In der letzten Gruppe gab es drei Mütter, die im Laufe des Gesprächs von ihren Schwierigkeiten mit den erwachsenen Töchtern berichteten. Sie wurden getröstet von den Müttern und Vätern, die ähnliche Schwierigkeiten mit bestimmten Ritualen überwunden hatten und diese nun weitergaben. „Es geht um Vergebung“, sagte eine Teilnehmerin, „wenn du anfängst, bei dir nach unguten Gefühlen zu forschen und dich damit auseinanderzusetzen, ohne deine Tochter zu beschuldigen oder auch nur verbal mit einzubeziehen, kann schon ganz viel in eurer Beziehung entstehen. Statt wie du eben vermerktest, die Beziehung zu beenden, um keine Schmerzen mehr ertragen zu müssen, beginnst du mit einem Ritual, in welchem es um Vergebung geht. Du vergibst deiner Tochter, aber noch wichtiger erscheint mir, dass du dir selber vergibst und dadurch in Liebe zu dir selber kommst. Es ist so wichtig, dass wir endlich damit anfangen, uns zu vergeben, wegzukommen von den Schuldgefühlen, die soviel kaputt machen.“ Die anderen Gruppenmitglieder nicken bestätigend, und die betroffene Mutter stellt noch ein paar Fragen, bevor sie verspricht, diese „Strategie“ auszuprobieren. Sie bemerkt noch, dass es sie schon erleichtert hätte, hier in der Gruppe dieses schwierige Thema anzuschneiden und eine neue Sicht erlangt zu haben.

Darum geht es mir ja gerade, Menschen dazu zu befähigen, auch in ganz „normalen“, ich meine keinen therapeutischen Runden ihre Herzen zu öffnen.
Gleich zu Beginn der Gruppe, nach meiner kurzen Lesung ergriff ein junger Mann das Wort. Er spöttelte ein wenig: „Es lohnt sich meiner Meinung nach nicht, über solche Themen zu sprechen. Der Mensch ist eben so und wird sich nicht verändern. Meine Freundin will auch immer über so was reden, was mich jedesmal nervt“. Er hat nicht mit der Reaktion der Frauen gerechnet, die heute hier in der Überzahl sitzen. Eine Frau, die ihm zur Linken sitzt, erklärt: „Ich weiss, dass viele Männer über bestimmte Themen nicht sprechen mögen, weil sie es für sinnlos halten. Aber wir brauchen neue Strategien, eine neue Streitkultur im Kleinen sozusagen, wenn wir wollen, dass auch im Großen Kriege und Hass aufhören.“ Dieses Thema beschäftigt uns noch länger, und sowohl die Frauen als auch die Männer gehen in die Tiefe und teilen sich mit.

In einer anderen Gruppe ging es um den Glauben, dann um das Teilen oder um den eigenen Weg u.a. Die Vielfalt der Themen überrascht mich selber. Und dass ich nicht als Entertainerin agieren muss sondern als Impulsgeberin, erfreut mein Herz.
Übrigens stoße ich im Internet immer häufiger auf das Thema: das neue Wir, Gemeinschaftsbildungen und ähnliche Themen für ein neues Miteinander. Das ist jetzt einfach dran!!!

Herzlich grüßt Heidemarie im Juni 2015