April 2012

Liebe Freundinnen und Freunde,
was für ein schöner Ostermorgen , mit Sonnenschein, Vogelgezwitscher und den vielen vielen bunten Blumen. Muss uns da nicht das Herz aufgehen?

Eine junge Frau fragte mich neulich in einem Interview, was in meinem eigenen Leben und überhaupt im Leben das Glück ausmacht? Was Glück ist und wann es sich zeigt. Tja, lässt sich das so leicht erklären? Bedeutet Glück nicht für jeden von uns etwas anderes? Meine Recherchen in dieser Frage bringen mich zu folgendem Schluss: Es ist egal, welche Situationen uns ins Glück bringen. Diese sind unterschiedlich und individuell. Das Ergebnis ist übertragbar und hat mit dem Gefühl zu tun, dem Gefühl des „flows“ oder besser auf Deutsch des Fließens in uns. Was genau fließt denn da? Als Psychotherapeutin habe ich oft mit den inneren Gefühlen und Bildern gearbeitet. Meine Klienten wurden aufgefordert, in ihrem Inneren zu forschen. Dazu schlossen sie ihre Augen und begaben sich in ihren Körper gedanklich und auch mit den inneren Augen. Meistens entdeckten sie tatsächlich Bilder oder Bildabfolgen, die sie in Kontakt mit sich und ihren Problemen und Lösungen brachten. So konnten sie Farbe und Form der Hindernisse in sich genau beschreiben, konnten mit ihnen reden, ihnen danken und sie wegschicken, weil nun etwas Neues angesagt war. Das Auflösen von alten Mustern, die uns von Kindheit an in der Mangel hatten, beschert vielen Seelenarbeitern das allergrößte Glück, eine unbeschreibliche Erleichterung. Zu merken, dass wir nicht länger ohnmächtig miterleben müssen, wie wir schon wieder in diese verflixte Schwere fallen, ist wunderbar. Zu merken, dass wir selber unser Leben gestalten, Probleme auflösen, Knoten platzen lassen können, um im Lebensfluss mitzuschwingen und zu fließen, macht Freude, die wiederum Glück bedeutet.
Nicht ein Urlaub nach Hawaii, nicht die Anerkennung unserer Mitmenschen für unser Tun oder der Kauf eines neuen Stücks macht auf Dauer glücklich, sondern die Intensität des Augenblicks, die Wahrnehmung der Kleinigkeiten um uns herum lässt unsere Seele jauchzen.
Und wie kann das gehen, dass wir in dieses Gefühl kommen? Stellt es sich von selbst ein, oder müssen wir etwas dafür tun, uns anstrengen? Für mich gibt es nichts Schöneres als meine Seele in Schwung zu bringen, ihr einen Nährboden zu schaffen, in dem sie sich suhlen kann. Klar gibt es einiges zu beseitigen, um die Leichtigkeit zum Leben zu erwecken. Die Störungen wollen angeschaut werden. Das Sprichwort „leicht ist schwer“ passt.
Verweigern wir diese wichtige Arbeit, werden wir immer wieder in ähnliche Situationen geraten, die die Schwere herbeiziehen. Wir werden uns beklagen über die Ungerechtigkeit, der wir ausgesetzt sind, über die bösen anderen bis wir den Schlüssel für die Tür ins Glück finden: den Kontakt mit unseren Schattenseiten herzustellen und uns über den kleinsten Fortschritt zu freuen.
Eine Übung möchte ich an dieser Stelle weitergeben: Immer wenn ein Druck sich in meiner Magengegend einstellen will, grundlos und dennoch mächtig, nehme ich sofort Kontakt damit auf. Ich spreche mit dem Druck, den ich so gut aus früheren Zeiten kenne, begrüße ihn und bedanke mich gleichzeitig für die getane Arbeit in der Vergangenheit. Dann erkläre ich ihm, dass er heute nicht mehr nötig ist und entlasse ihn somit in die Weite des Universums. Ich erzähle ihm, dass er nicht mehr gebunden ist an meinen Körper und sich einen „lauen Lenz“ in der Weite machen kann. Meistens verschwindet er hocherfreut und schafft Platz für die Leichtigkeit. Wenn er allerdings nicht zum Platzwechsel bereit ist, geht kein Weg an einer Arbeit mit meinen Konflikten vorbei. Die Bewusstseinsarbeit- so nenne ich das- macht alles neu, wie der Frühling.

Herzlich grüßt Heidemarie im April 2012