August 2010

Liebe LeserInnen,

die Sonne tut ihr Bestes. Sie schenkt uns einen weiteren Sommertag
voller Wärme und Helligkeit. Grund genug, um voller Schwung und Dankbarkeit
das neue Tagwerk anzugehen!
Bei mir sieht das so aus, dass ich heute endlich mal wieder etwas Zeit
Für einen neuen Text habe. In den Wochen vorher geschah es doch schon oft,
dass ich gerade mal meine mails beantworten konnte und dann meinen
Platz verlassen musste. Das sind die kleinen Hindernisse bei meinem
Lebensstil, dass ich mich manchmal etwas einschränken muss, weil die Gegebenheiten eben so sind. Längst habe ich gelernt, mich anzupassen, ohne dabei
einen Mangel zu empfinden. Wenn dann die Gelegenheit mir neue Perspektiven
bietet so wie heute, ist die Freude gross. Nichts ist selbstverständlich
oder Routine, alles hat einen Zauber von Überraschung an sich, und das
wiederum beinhaltet eine grosse Freude am Sein. Es ist wie in den
Kindertagen, in denen nur der Augenblick zählte. Die Auflösung von
Erwartung und Forderung gehört zu der grössten Errungenschaft in meinem
jetzigen Leben. Und so lebe ich inzwischen das, was ich schon als Kind
in die Poesiealben schrieb: Erwarte nichts! Heute, das ist dein Leben!

Und jedes Heute sieht anders aus! Nehme ich mal das heutige: Teresas
Laptop steht in ihrer grossen Wohnung, die ich ganz allein zur Verfügung habe, weil Teresa ihrer Arbeit nachgeht und erst abends zurückkehrt.
Darauf freue ich mich schon, denn unsere Gespräche weisen trotz unseres
Altersunterschieds intensive Tiefe auf. Der ganze Tag steht mir zur
alleinigen Verfügung, ohne Aufgaben oder Verpflichtungen – in der
„alten Welt“ wäre das ein Urlaubstag, in meiner Welt eine neue Form des Seins
In Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Nach dem Schreiben werde ich in den Generations Garten gehen, der vor
einem Jahr von einer Gruppe Menschen gegründet wurde, die ihre gesunde
Kost in einer Art „Subsistenzwirtschaft“ gemeinsam erarbeiten. Ich werde die frischen Kartoffeln und den Salat ernten für unser Abendessen. Ich dürfte das einfach so tun als Teresas Gast- sie gehört auch dieser Gruppe an. Ich habe aber für mich beschlossen, mindestens eine Stunde im Garten zu arbeiten, um meine Freude über diese Möglichkeit der Ernte kundzutun. So viel Frische erlebe ich nicht so oft bei meiner Ernährung.

Teresas Wohnung befindet sich in der Nähe von St.Pölten, das wiederum
nah bei Wien liegt. Alle viertel Stunde gibt die Kirchturmuhr lautstark die
Zeit an, ansonsten umgibt mich Stille, ein Geschenk, das ich sehr zu
schätzen weiss. Der Gang zum Generations Garten und zurück deckt den
täglichen Spaziergang, der mir wichtig für die Bewegung und die
Sauerstoffaufladung ist. Bücher in englischer, spanischer und deutscher
Sprache mit den unterschiedlichsten Themen laden mich ein, zu stöbern…

Eine Gruppe junger KünstlerInnen hatte mich nach St. Pölten eingeladen. Sie wollten mich bei ihrem alljährlichem Festival dabei haben, als Impulsgeberin sozusagen. Zwei Monate zuvor war ich als Impulsgeberin von einer anderen Gruppe in St. Pölten eingeladen, eine erstaunliche Tatsache, zumal sich beide Gruppen nicht kannten und ich sie zusammenführen konnte, Vernetzung auf ganzer Linie sozusagen.

Die Einladungen erfolgen inzwischen aus so unterschiedlichen Ecken, von
so unterschiedlichen Interessengruppen, dass ich voller Staunen bin.
Auch die Mails für Anfragen oder Stellungnahmen, für Kritik oder Bestätigung geben mir Zuversicht, dass immer mehr Menschen sich Gedanken darüber machen, dass es eine neue Herangehensweise in der Welt braucht!

Aber wie soll die aussehen? “ Am besten du fängst in einem Ort mit
deiner Idee an, in dem es viele Bedürftige gibt, Asylanten z.B.“, rät mir eine Bekannte.
Nein, denke ich, für mich geht es nicht mehr darum, ein Modell zu installieren,zu beweisen und überzeugen,voranzutreiben und zu machen, sondern vielmehr meine Idee in die Welt zu geben zur freien Verfügung. Ich habe losgelassen und freue mich einfach über Gemeinsamkeiten, über Vernetzungen, über Offensein für andere, über ein Miteinander, über Austausch. Damit schätze ich die „weibliche“ Energie – das Empfangende, Geschehenlassende -als Ergänzung zur kopflastigen Ausführung und Umsetzung der eigenen Ideen, was normalerweise zu Konkurrenz und Gegeneinander führt.
Jeder Mensch trägt bei zu einer bunten Vielfalt als Rädchen im Getriebe und soll geschätzt und beachtet werden!

Diese Gedanken habe ich im August 2010