August 2013

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

fast sechs Wochen sind um seit der Diagnose „Krebs“. Das Wort, das uns erschauern lässt, das uns in Angst und Schrecken versetzt, weil wir uns ausgeliefert und ohnmächtig fühlen. So war es jedenfalls bei mir. Das Vertrauen, in dem ich mich in den letzten Jahren befand, war wie weggeblasen. Statt dessen quartierte sich eine Angst ein, die sich schnell auf alles ausbreitete und mir zusetzte. So war es in der ersten Woche, in der ja auch „die große OP“ angesetzt war. Ein Gespräch mit meiner jüngsten Schwester ließ mich innehalten und nachdenklich werden. Meine Schwester hatte viel Erfahrung gesammelt in den letzten Jahren wegen der Erkrankung ihres Sohnes, war tief eingestiegen in unterschiedliche Heilverfahren und riet mir jetzt, doch noch andere Möglichkeiten der Heilung herauszufinden, nichts zu überstürzen. Ich hatte meine Zusage zu der Operation allerdings schon gemacht, sogar mit meiner Unterschrift unter dem dazugehörigen Text alles besiegelt. Das Wochenende lag dazwischen. Montag früh sollte es losgehen. „Ich kann nicht einfach absagen. Ein Team im Krankenhaus ist doch auf mich vorbereitet. Was soll ich tun?“ waren meine Gedanken nach dem Telefonat. Zweifel und Unsicherheit tauchten auf – wie in alten Zeiten. Damals – 30 Jahre ist das her – fühlte ich mich hin und hergerissen, konnte mich ganz schlecht entscheiden für oder gegen etwas.

Als ich begann, nach Innen zu schauen, zu meditieren, war diese Unsicherheit wie weggeblasen. Ich wusste meistens, was gut für mich war.

Jetzt hatte die Angst alles verschüttet, mich den Kontakt zu meinem Inneren, zu meinem Schutzengel oder zu Gott vergessen lassen. Ich war sozusagen abgestürzt aus der göttlichen Einheit in das menschliche Leid..

Durch das Telefonat mit meiner Schwester ließ ich mich erinnern. „Gut,“ sagte ich mir, „wenn sich der Himmel auf irgendeine Weise einmischt, mir einen Wink gibt – sei es im Traum oder sonstwie – werde ich mich neu besinnen.“ Die Nacht verbrachte ich traumlos, konnte mich an nichts erinnern und wollte schon in die Resignation gehen, als mein Handy klingelte und Dorothea, meine gute Freundin sich bei mir meldete. Kurz vor ihrer Urlaubsreise – sie hatte schon alles gepackt und war auf dem Sprung

– entschuldigte sie sich bei mir für die frühe Störung.

„ Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dich anrufen soll. Schließlich möchte ich dich nicht verunsichern, weiß ich doch, dass dein OP-Termin schon feststeht. Was ich dir unbedingt mitteilen möchte, ist die Tatsache, dass am Montag Vollmond ist. Bei Vollmond sollten keine Operationen stattfinden, schon gar keine an der Gebärmutter. Tut mir Leid, dass ich dich damit wahrscheinlich verunsichere,“ sagte sie.“Keineswegs,“ jubelte ich, „das ist das göttliche Zeichen, um das ich gebeten habe. Danke schön!“

Ich rief sofort in der Klinik an und bat erst Mal um eine Verschiebung von mindestens 5 Wochen. Die sind schon um, und viel ist bei mir geschehen.

Die Ängste sind komplett verschwunden. Ich habe Karzi – so nenne ich meinen unliebsamen Gast – begrüßt, mit ihm ein Abkommen vereinbart. Er verlässt mich, wenn ich mir meine Störungen anschaue und daran arbeite, sie aufzulösen. Mit seinem Erscheinen wolle er mich in eine neue Ebene bringen.

Ein wichtiger Faktor für eine Klärung hat mit der Ernährung zu tun. Zwar bin ich schon seit 20 Jahren Vegetarierin, trinke kaum Kaffee und wenig Alkohol. Aber Kekse und Süßigkeiten, Käse und Quark, die ein Leckerbissen für die „bösen“ Zellen darstellen, nahmen einen wichtigen Stellenwert bei meiner Ernährung ein. In einem der vielen Bücher über Krebs, das ich bei Gabriele, einer meiner Arztfreundinnen fand, hieß es, dass viele Menschen an Unwissen sterben. Auch ich wusste nichts über Krebs bislang, nur wie schrecklich und tötend er sein kann und begann mit dem Studium. 5 Bücher habe ich bislang verschlungen, habe mich schlau gemacht und damit von der Ohnmacht befreit.

Neben der Umstellung der Lebensmittel gibt es noch andere Themen für Karzi. Er will Klärung auf der ganzen Ebene:, auch im emotionalen, psychischen Bereich. So habe ich mir eine Auszeit genommen nur für mich, keine Mission, um die Welt zu retten . Ich stehe im Mittelpunkt meines Lebens, gönne mir viel Ruhe, Zeit für innere Reisen, um an Schlummerndes zu kommen und es aufzudecken. Eine Liste mit 20 Punkten, die täglich bedacht sein wollen, habe ich mir aufgeschrieben. Punkt für Punkt wird abgearbeitet und auf der Liste abgestrichen. Ausleitungen von körperlichen Giften gehören dazu, Einnahme von Bitterstoffen, die gar nicht beliebt sind beim Krebs, Zufuhr von Vitaminen, um die Depots aufzufüllen und das Immunsystem zu stärken, Yogaübungen, Spaziergänge und die ganz wichtigen Reisen nach Innen, um die nötige Seelenarbeit zu verrichten.

Wie kann das alles denn ohne Geld gehen? werden sich einige nun fragen.

Ich selber bin auch erstaunt, wie das geht. Von überall kommen Angebote , Hilfestellungen, Geschenke, gute Gedanken. Die Menschen nehmen Anteil, setzen sich ein, sind interessiert daran, dass es mit mir weitergeht.

Neulich rief mich Ute an, eine Frau, die mich auf einem meiner letzten Vorträge erlebt hatte und bot mir an, mich irgendwo hin zu fahren mit ihrem Auto. Das passte gut, weil im Moment Zugfahrten für mich nicht angesagt sind. So haben wir fünf schöne Tage bei meinem Freund Joachim in Potsdam verbracht, wo auch Ulle, der Kameramann wohnt, den ich engagiert habe für eine Dokumentation über Selbstheilungskräfte. Ganz ohne Weltverbesserung geht es nun doch nicht, und so entsteht eben dieser Film.

Ute und ich sind nun auch gute Freundinnen und vieles geschieht für eine Herzöffnung.

Gestern hatte ich ein schönes Erlebnis. Ich spürte genau das Gefühl, das ich vor 20 Jahren vor meiner „großen Aufgabe“ hatte. Damals wartete ich auf einen Fingerzeig von oben, nutzte jede freie Minute, um mich aufzufüllen mit intensiven Beschäftigungen wie klassische Musik hören, tanzen, meditieren u.a. Und eines Morgens war dann der große Augenblick da, als ich in der Morgenandacht den „Auftrag erhielt“, einen Tauschring zu gründen. Die letzten 20 (19) Jahre waren die wunderbarsten meines Lebens.

Mein Leben ohne Geld hat mich vorangetrieben, hat mir wichtige Kontakte geschaffen, Vernetzungsmöglichkeiten offeriert, mir eine neue einfachere Welt gezeigt, die für mich schon Fakt ist und die ich als Zukunftsmodell empfinde. Allerdings merkte ich auch, dass ich etwas festgefahren war, die vielen Vorträge und Diskussionsrunden nicht mehr wollte, weil sie mich ermüdeten. Aber was konnte ich sonst tun? Und da tauchte Karzi auf, rüttelte an meinen Grundstrukturen, beendete das Alte.

Das Erlebnis von gestern hat mit einer Intensität zu tun, die ich im Umgang mit anderen empfinde, mit einem körperlichen Wohlbefinden, das ich früher bei meinen Fastenkuren spürte und einer Freude, die von ganz tief unten in mir aufsteigt. So ergeht es mir heute. Mal schauen, wie es weitergeht, ob Karzi mich wirklich verlässt und den Weg freimacht für „ein Leben in einer neuen Dimension“, in Glück und Freude, was für uns alle vorgesehen ist, wenn wir das menschliche Leid verlassen, um uns in der göttlichen Vollkommenheit einzupendeln.

Mit diesen Gedanken im August 2013 wünsche ich allen alles Liebe!

Herzlich Heidemarie