Kategorie-Archiv: Aktuelle Texte

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Dezember 2008

Liebe LeserInnen,

in den letzten Monaten nahm ich viele Einladungen der Medien an, die sich besonders seit der Finanzkrise häuften. Neben einigen Talkshows und kurzen Life-Auftritten im Fernsehen hoffte ich jedes Mal, in den 3- 5 minütigen Filmen etwas von der Lebendigkeit und Freude meines Alltags herüberbringen zu können. Ich mußte jedoch feststellen, dass es nicht so einfach ist, den Personenkult zu umgehen. Die von mir dazugeholten MitspielerInnen wurden zu Statisten, Projekte gar nicht benannt. Einzig die „ohne Geld lebende Frau Schwermer“ zählte und sollte ihren Lebensstil immer wieder durch Tauschaktionen darstellen. Das verdeutlichte mir, wie schwierig es ist, das Neue zu präsentieren.

In meinem Leben geht es nicht mehr ums Tauschen sondern eher ums Teilen.“Gib und Nimm“ heisst nicht: Gibst du mir, so gebe ich dir, sondern: Bin ich im Lebensfluss, in der Freude? Ist das Geben und Nehmen eins geworden, so dass daraus die Leichtigkeit des Seins entstehen kann, einem Sein ohne Sorgen, ohne Ängste, im Vertrauen?

Was heisst das konkret? Sollen wir jetzt alle drauflos “ schnorren“ wie der junge Mann, der neulich in einer Gemeinschaft erklärte, er müsse nicht mehr körperlich arbeiten, weil seine Schwingungen so hoch seien? Wer bestimmt, dass das Geben und Nehmen in Einklang ist, dass sich nicht die einen auf Kosten der anderen bereichern? Kann das überhaupt ohne Geld gehen? Bislang hat ja Geld die Strukturen bestimmt. Wer nichts leistete, bekam nichts. So einfach ging das.

Und jetzt? Bei „Gib und Nimm“ können die MitmacherInnen selber herausfinden, wo sie stehen. Einmal für sich allein, aber dann auch im Miteinander. Die „Gib und Nimm Häuser“(s. o.) könnten ein Forum sein, in dem etwas ausprobiert werden darf: Soll ich mich weiter öffnen, Menschen an mich heranlassen, oder muss ich mich abgrenzen, das Neinsagen üben? Wie fühle ich mich bei den Begegnungen?

Wer nur sein Haus zur Verfügung stellen will, keine Lust hat, sich auseinander-zusetzen, wird natürlich zu nichts gezwungen. Freiwilligkeit steht bei Gib und Nimm an erster Stelle.

Die Häuser werden zur Zeit verwaltet von (…steht nicht mehr zur Verfügung). Sie legt verschiedene Listen an, kommuniziert mit den Hausbesitzern und den Hausbesuchern. Sie gibt den Hausbesitzern die Telefonnummern der Interessenten weiter, wodurch ein anfänglicher Datenschutz gewährleistet ist.

Es gibt neue Aufkleber (s.o.) Sie können bestellt werden bei…(steht nicht mehr zur Verfügung). Die Aufkleber sind kostenlos, allerdings sollte ein frankierter Briefumschlag für die Rücksendung geschickt werden. Die vierfarbigen Aufkleber stehen für: Buntheit im Alltag, Offenheit für neue Ideen und Menschen, für ein wohlwollendes, konkurrenzloses Miteinander, für einen Wertewandel schlechthin. Sie sollen die Welt erobern, überall auftauchen und gesehen werden, ins Gespräch kommen, einen Sinneswandel beeinflussen.

Noch etwas in „eigener Sache“:

Für mein „Sterntalerexperiment“ in italienischer Sprache erhalte ich am 14.12.08 den Tiziano Terzani- Preis, einen internationalen Literaturpreis für „eine Kultur des Friedens“. Ich freue mich deswegen sehr darüber, weil ich glaube, dass es eine Anerkennung für alle Frauen ist! Denn was tue ich anders, als was Frauen schon über Jahrhunderte getan haben: ohne Geld leben (sie standen ja immer hinter einem Mann, der für sie sorgte) das tun, was nötig ist (wieviel Nächte durchwachen Millionen von Müttern, wenn das Kind krank ist) sich einbringen aus Mitgefühl und und und.

Keineswegs möchte ich Frauen und Männer spalten, die einen über oder unter die anderen stellen. Ich weiss, dass es inzwischen viele Väter gibt, die verantwortungsbewusst und liebevoll mit ihren Kindern umgehen. Auf der anderen Seite füllen Frauen inzwischen Chefpositionen aus! Es geht mir nicht um ein Zurück in frühere Zustände sondern eher um ein Bewusstmachen, um Anerkennung und Wertschätzung der weiblichen Werte, die in der Vergangenheit zu gering erachtet wurden.

Eine wunderschöne Zeit voll Licht wünscht Heidemarie Schwermer im Dezember 2008

Nachtrag:

Meine Reise nach Italien ist beendet. Die Preisverleihung war sehr interessant: im palazzo vecchio – dem Rathaus von Florenz , im „schönsten Raum von Florenz“ wie die begeisterungsfähigen Italiener schwärmten – empfingen fünf junge ItalienerInnen für ihre noch nicht veröffentlichten Texte eine Auszeichnung von der Gruppe „ein Tempel für den Frieden“. Das einzige internationale, schon veröffentlichte Buch, das hier geehrt wurde, war mein „Sterntalerexperiment“. Mit einem Gemälde, einer Friedensfahne und einer Urkunde versehen und vielen Gratulationen der 500 Besucher verliess ich zufrieden die Veranstaltung. In Florenz gab es ein paar Tage später noch eine spontan einberufene Gesprächsrunde mit interessierten Gästen, eine gelungene Veranstaltung, die leider einen „Pferdefuss“hatte: mein Handy verschwand spurlos, und jetzt bin ich schon seit ein paar Tagen ohne Handy und kann üben, wie es sich anfühlt, für viele unerreichbar zu sein. Ein Ersatz ist jedoch schon in Sicht. Einen guten Rutsch ins neue Jahr, viel Freude und Vertrauen wünscht Heidemarie Schwermer im Dezember 2008

 

Juni 2009

Liebe Leser und Leserinnen,

wie sieht es mit der Aktualität bei „gib und nimm“ aus? Geht es weiter, und wenn ja, was?

Ein wichtiger Punkt sind nach wie vor die E-Mails, die mich erreichen.

Anfragen, Angebote, Vorschläge, Kritik – von allem gibt es etwas.

Vielleicht werde ich demnächst einen Auszug daraus zusammenstellen und

hier veröffentlichen. Ich habe nämlich bemerkt, dass auch andere

Menschen sich angesprochen fühlen durch die interessanten Beiträge.

Vorträge mache ich sporadisch, nicht mehr hauptsächlich wie in den letzten Jahren.

Auch mit den Medien habe ich mir eine Auszeit genommen.

Lediglich der Film „living without money“ s.o., der in diesem Jahr

fertiggestellt werden soll, spielt eine wichtige Rolle.

Internationale Dokumentarfilmer wie die Norwegerinnen Line Halverson und

Tone Anderson und Jan Dalchow sowie der Italiener Paolo Pallavidino sind

an dem Thema interessiert. Gemeinsam gestalten wir etwas, was Nachhaltigkeit verspricht.

Meine Aufgabe ist die einer Vernetzerin, die aus dem reichen

Erfahrungsschatz der Herumreisenden schöpft und zusammenfügt, was

zusammengehört.

Eine der ersten Dreharbeiten für den Film fand in einem „Gib und Nimm

Haus“ statt, in dem ich schon mehrmals gewohnt habe. Helga Hase, die

Keramikerin in Bad Salzschlirf, stellte großzügig ihr Haus zur Verfügung

für weitere Mitspielerinnen. Fünf Tage verbrachten sieben Frauen

zusammen unter einem Dach. Mein Hauptthema, das „Leben ohne Geld “

sorgte für Spass und Abenteuer im Alltag. Niemand durfte in dieser Woche

irgendetwas kaufen.

Solche Seminare waren schon vor Jahren in anderen Häusern beliebtes Thema gewesen.

Die damaligen Mitspieler, angetan von den neuen Erfahrungen, die sie durch

das Weglassen des Geldes sammelten, empfanden dieses Experiment als Bereicherung

in ihrem Leben. Dass fremde Menschen so miteinander umgehen konnten,

sich füreinander öffneten und wohlwollend unterstützten, machte glücklich.

Diesmal stellten wir als Gruppe „gib und nimm“ vor. Dazu hatten wir für

die einzelnen Geschäfte Listen ausgearbeitet, in denen alle unsere

Fähigkeiten aufgeführt waren zur freien Auswahl. In der Kürze der Zeit

liess sich allerdings nicht so viel umsetzen. Wir erhielten die Gaben

der Geschäfte meist ohne Gegenleistung von unserer Seite.

Ein sehr schöner Tausch kam jedoch zustande mit dem Touristenbüro, von dem

wir sieben Freikarten für das Thermalbad erhielten. Im Gegenzug schufen

wir einen „Kraftplatz“ für die Stadt im nahegelegenen Wald.

Das wiederum war Bestandteil des Programms für diese Woche. Ich hatte

Frauen ausgesucht mit speziellen Themen. So auch Barbara Leonhardt aus

Thüringen, die mit ihren Kunstwerken in der Natur, fachmännisch „landart“

genannt, besticht. Unter ihrer Anleitung schufen wir einen Taglang einen

schönen Platz für Meditationen und Besinnung.

Meditationen sollen zukünftig einen festen Platz bei „gib und nimm“

erhalten. So haben wir einen Termin übernommen aus München, den Dagmar

Schön schon im Jahr 2008 eingerichtet hatte. Jeden Freitag von 17.00 –

17.30 Uhr treffen sich Meditierende auf einem öffentlichen Platz,

um mit dem Thema „Stille in der Stadt“ ein Gegengewicht zu dem

Stadtgetöse zu schaffen. Ich trage die Idee weiter in andere Städte,

habe sie für mich noch transformiert und meditiere in dieser Zeit

auch für „Mutter Erde“ in der Natur. Je nachdem, wo ich gerade bin.

Auch dieses ist eine Wiederholung aus früherer Zeit, als wir über Jahre

eine Meditationsgruppe von „gib und nimm“ in Dortmund pflegten.

Ein weiterer Termin könnte für die LeserInnen interessant sein: Jeden 3.

eines Monats finden die „Gib und nimm Stammtische zur Vernetzung der

Kulturell Kreativen“ statt. Jeweils um 19.00 Uhr tragen die Teilnehmer

ihre Ideen vor und lassen sich von der Vielfalt lenken. Aus diesen

Treffen entstehen gemeinsame Aktionen, die an jedem Ort unterschiedlich

sind wegen der unterschiedlichen Menschen. Auch das eine

Wiederaufbereitung aus den früheren Aktionen von „gib und nimm“ in

Dortmund.

Nichts geht verloren, alles trägt bei zu einer Weiterentwicklung und

Festigung der ursprünglichen Idee. Ich bin froh darüber, dass ich auch

in Flauten „am Ball“ geblieben bin und mich führen lasse zu Menschen,

Orten, Situationen. Auf diese Art entsteht Vernetzung auf vielen

Gebieten. Schliesslich geht es darum, dass wir spüren, wie gross die Zahl

der „Kulturell Kreativen“ schon ist. Alle Menschen, die nach neuen

alternativen Wegen suchen, gehören dazu. Und es sind laut Paul Ray schon

Millionen. Solange jeder nur vor sich hinrödelt, wird das natürlich

nicht sichtbar. Darum ist das Vernetzen ein Sichtbar – Machen, ein Sich-

Stark- Fühlen im Miteinander. Jede behält ihre eigenen Herangehensweisen,

muss sich nichts überstülpen lassen oder sich unterordnen. Jeder kann sich

einbringen mit den eigenen Ideen und dadurch ein grösseres Wertgefühl

erlangen. So schaffen wir Schritt für Schritt eine bessere Welt.

In diesem Sinne grüsst Heidemarie Schwermer im Juni 2009

Preisverleihung in Florenz:

www.livingwithoutmoney.tv

September 2009

Liebe Leser und Leserinnen,

„du musst noch viel genauer erklären, was du unter „gib und nimm“

verstehst, wie die Projekte gedacht sind, damit die Leser sich animiert

fühlen, sofort etwas davon umzusetzen,“ sagte neulich eine Freundin zu

mir. Die vielen Anfragen zu den Projekten bestätigen mir, dass meine

Freundin Recht hat. Dennoch weigere ich mich – bin ich vielleicht

wirklich ein sturer Steinbock (ziege)?- diese Ratschläge anzunehmen,

geschweige denn umzusetzen.

Mein Ansatz ist, Impulse zu geben, nicht Anweisungen. Die Kreativität

spielt bei „gib und nimm“ ja eine Hauptrolle! Da ist dann die eigene

Schöpfung gefragt.

Als Beispiel hierfür möchte ich unseren letzten „gib und nimm workshop“

anführen. Er fand in Schleswig-Holstein statt, genauer in der

Ostholsteinischen Schweiz, in der Nähe von Lütjenburg. Zehn Frauen

trafen sich in der alten Schule, die Astrid Eobaldt mit Liebe in den

letzten Jahren renoviert und eingerichtet hat. Ein großer Seminarraum, das

frühere einzige Klassenzimmer der einstigen „Volksschule“- mehrere kleine

Doppelzimmer und ein Schlafsaal für ca 15 Personen, ein bequemes

Wohnzimmer mit Kamin, eine Küche mit Essraum und ein Büro, boten Platz

für alle.

Ausserdem lockte der schöne wilde Garten mit unterschiedlichen Sitzecken

bei dem sonnigen Wetter nach draußen. Sauna und Wellnessgeräte taten ein

Übriges, um uns alle in eine gute Stimmung zu versetzen.

Dass wir diesmal wieder nur Frauen waren, hat auf keinen Fall mit einer

Männerfeindlichkeit zu tun, sondern eher mit einer besseren Unterstützung

für die Frauen. Ich habe in vielen workshops beobachtet, dass Frauen sich

schnell zurücknehmen, um den Männern Platz zu machen für ihre Eingaben.

Wir Frauen brauchen noch Zeit, um in unser Wertgefühl zu kommen.

Und darum fanden die letzten workshops ohne Männer statt.

Thema der Begegnung war einmal „jede kann was, was nicht jede kann“

-nach dem „gib und nimm Lied“ von Paul Roos – und zweitens „ohne Geld

durch die Welt“. In den vier Tagen durfte nicht eingekauft werden. Geplant

waren Tauschaktionen mit Bauern oder Geschäften in der Nachbarschaft, wie

wir es schon früher gemacht hatten. Bei der Einladung war allerdings darum

gebeten worden, dass jede bei sich zu Hause schaut, was sie an

Lebensmitteln mitbringen könne. Es stellte sich heraus, dass genug

mitgebracht worden war und wir ein Leben in Fülle führten während unseres

Beisammenseins.

Ich hatte Astrid darum gebeten, alle Verantwortungsgefühle für das Haus

abzugeben und sich der Tatsache bewusst zu sein, dass ihre Gabe sehr

großzügig und reichlich war durch die Bereitstellung ihres Besitzes für

die fremden Frauen. Diese Bitte ergab sich aus meinen Beobachtungen bei

früheren Treffen in anderen Häusern. Da die Besitzer sich für alles

verantwortlich fühlten – schliesslich waren sie ja die Gastgeber – konnten

sie nicht in dem Umfang geniessen, was es zu geniessen gab.

Astrid war sehr erstaunt, wie gut ihr eine Verhaltensänderung gelang, denn

auch sie kannte nur allzugut ihre verantwortungsvolle Gastgeberrolle aus

früheren Zeiten.

Bei unserer ersten Vorstellungsrunde teilte ich mit, dass es kein Programm

gäbe, weil ich nicht wüsste, wie sich die einzelnen Gaben in das

Tagesgeschehen einbetten liessen. Der Befürchtung einer Strukturlosigkeit

baute ich vor, indem ich meine Wünsche äusserte und gleichzeitig die

Wünsche der anderen Frauen einforderte. Ein lockeres Programm ergab sich

schnell daraus. Meditationen zu bestimmten Zeiten, ein gemeinsam

geschaffenes Kunstobjekt an der nahegelegenen Ostsee, Bade- und

Spaziergangszeiten, Behandlungsangebote der Heilerinnen, spezielle

Kochkünste und einiges mehr füllte unsere Tagespläne.

Diese wurden jedoch nicht aufgeschrieben oder geordnet, sondern wir

schöpften unentwegt und ungeplant aus dem riesigen Potential, das in uns

allen schlummert. Alle waren begeistert und konnten zum Teil gar nicht

fassen, wie locker und leicht die Tage sich gestalteten. Ich war besonders

gerührt, weil es genau das ist, was mein Leben ausmacht und was ich so

schlecht erklären kann. Diesmal erfuhren die anderen genau das bei sich,

und in mir jubelte es, weil ich mich endlich verstanden fühlte.

Bei unserer Abschlussrunde stellte sich heraus, dass für die meisten

Teilnehmerinnen diese Tage wie Urlaub oder wie Wellnesstage gewesen

waren. Diejenigen, die dieses Treffen mit anderen Seminaren verglichen,

zogen eine Bilanz in finanzieller Hinsicht. Normalerweise ginge für so

ein Seminar ein ganzes Monatsgehalt drauf für Übernachtung, Verpflegung

und die effektiven Behandlungen. Dass so etwas Wunderbares auf diese

einfache Art möglich sei, fanden einige Frauen sensationell.

Wie lässt sich dieses „sensationelle“ Leben, das ich ständig führe, nur

erklären und weitergeben?. Von den „Wellnesstagen“ an der Ostsee geht es

für mich gleich weiter in das nächste Abenteuer. Ich bin einer

Freundin bei der Gestaltung ihrer Geburtstagsfeier, die sie im Vorab

schlaflose Nächte kostete, behilflich. Aus meinem früheren Lehrerinnendasein

schöpfe ich lustige Gesellschaftsspiele, die uns einen fröhlichen

Nachmittag bescheren.

Mein Koffer ist gepackt für meinen morgigen Flug nach Florenz, wo

der Sommer immer noch zu Gast ist. Nebenbei werde ich mit anderen

engagierten Gruppen über Möglichkeiten für eine neue Welt

diskutieren.

Ich werde in Österreich und in der Bundesrepublik in Schulen, mit

Jugendlichen, in Kirchengemeinden und anderen Gruppen darüber

sprechen, wie anders Leben sein kann, wenn wir uns einlassen, vielleicht mal

ein Risiko eingehen und wenn wir sehen können, dass ein marodes System

losgelassen werden muss. Mir ist durchaus bewusst, dass mein

privilegierter Zustand, immer im richtigen Moment das tun zu können, was

mir wirklich Freude bereitet, sich wesentlich von der Lebenssituation

derjenigen unterscheidet, die in den Zwängen des Alltags gefangen sind.

Dennoch gibt es kleine Schritte, die in neue Denkmuster führen, uns von

Ängsten befreien und mit unserer ursprünglichen Quelle verbinden.

Einen schönen Spätsommer wünscht Heidemarie Schwermer im September 2009

April 2010

Liebe Interessierte,

endlich habe ich mal wieder Zeit, Ruhe und Lust für einen neuen Text! Die kleinen und grossen Alltäglichkeiten nehmen mich normalerweise derart in Anspruch, dass mir einfach die Musse fehlt. Da ich für mich und meine Augen beschlossen habe, im Höchstfall 4 Stunden am Computer zu verbringen, lässt sich leicht vorstellen, dass damit gerade der Mailkontakt abgedeckt wird. Mailkontakte sind mir nach wie vor wichtig, und ich stecke die meiste Computerzeit Zeit da hinein.

Die letzten drei Monate waren spannender denn je, weil ich gezwungen war, ganz im Augenblick zu leben, Planungen umzuwerfen, um frei zu werden für das, was gerade angesagt ist. Wie das aussieht?

Beginne ich mit dem Jahresanfang: Als erstes erhielt ich von Irmtraut Leutschaft aus Münster, einer examinierten Ärztin mit psychotherapeutischen und spirituellen Ergänzungen zu ihrem Schulmedizinstudium, ein riesiges Geschenk. Über eine gemeinsame Freundin hatte sie von meinem Tun erfahren und mich zu einem Vortrag bei sich in ihre Praxis geladen, den ich für sie und ihren Freundeskreis im alten Jahr hielt. Dabei bot sie mir an, mich in etwas einzuweisen, was sie als Isis Kraft bezeichnete. Natürlich hatte ich von Isis, der ägyptischen Göttin, gehört und alle Antennen in mir gingen auf Rot bei ihrem Angebot. Auf keinen Fall wollte ich mich in etwas hineinbegeben, was mir und meiner Sache eventuell schaden könnte. Also lehnte ich zunächst dankend diese Einladung ab. Während meines Stillstands um die Weihnachtszeit, über den ich im letzten Text berichtete, dachte ich zum ersten Mal über die Annahme des Angebots nach, freundete mich mit dem Gedanken an eine Weiterentwicklung an und vereinbarte mit Irmtraut schliesslich einen Termin zum Anfang des Jahres. Drei Tage sollte mein Besuch und die neue Einweihung dauern. Es wurde eine mich stärkende Arbeit, die mich sehr glücklich machte.

Das nächste Angebot kam von einer ‚Gleichgesinnten‘ aus dem Süden Deutschlands. Sie lud mich ein, in ihr Haus zu kommen, damit wir beide zusammen ein Modell entwickeln könnten mit ‚gib und nimm‘, das ich anschliessend in die weite Welt tragen könne. Ein paar interessierte Biobauern gäbe es und noch andere aufgeschlossene Menschen. Ha, welche Freude! Endlich sollte das geschehen, was mir schon über Jahre vorschwebte: ein richtig schönes, gut funktionierendes ‚gib und nimm Modell‘, übertragbar auf alles Mögliche! Das Jahr 2010 stand unter einem guten Stern für mich und mein Vorhaben.

So begab ich mich voller Freude mit den neuen Isiskräften nach Süddeutschland. Die Frau holte mich vom Bahnhof ab und beherbergte mich in ihrem Haus. Schon am nächsten Morgen stellten sich bei ihr ein paar Unpässlichkeiten ein, mittags war sie nicht mehr in der Lage, das Sofa zu verlassen, und abends teilte sie mir mit, dass sie mich nicht aushielte. Huch, das war mir noch nie geschehen, dass eine ‚Aufgeschlossene‘ mit mir nicht klarkam. Was hatte das wohl zu bedeuten? Im ersten Augenblick war ich geschockt, doch dann fasste ich mich und versprach, am nächsten Tag zu verschwinden.

Allerdings wusste ich nicht gleich, wohin! Ein paar Telefonate klärten dann die Situation, und ich landete in München, ohne jeden Plan. Nur ein Zimmer in einer Studentengemeinschaft stand mir zur Verfügung. Ansonsten musste ich sehen, wie ich meine Zeit ausfüllte und meine Ernährung klarstellte. Der Tag meines Umzugs oder besser Rauswurfs fiel auf meinen Geburtstag, was meine alte Gastgeberin und die neuen jedoch nicht wussten. Aber der Himmel wusste, denn er tat sein Bestes, um mich zu erfreuen. Kurz vorher hatte ich eine Mail erhalten von einer anderen ‚Gleichgesinnten‘, die mich im Fernsehen erblickt hatte und mich unbedingt kennenlernen wollte. Mit ihr telefonierte ich und erhielt eine Einladung für den Nachmittag. Der Vormittag stand mir zur freien Verfügung, und nachdem ich mein Gepäck in der neuen Wohnung’eingecheckt‘ hatte, machte ich mich auf den Weg zu meinem Engel. Er steht am Ufer der Isar und erfreut mich bei allen meinen Besuchen in München. So auch diesmal. In voller Pracht strahlte er auf mich herab, so leicht und beschwingt, dass mein Herz lachte. „Du hast es gut“, sagte ich, „stehst einfach nur da und strahlst.“ Prompt antwortete er:“ Auch du musst nichts anderes tun, strahlen genügt!“

Bei meinem Nachmittagsbesuch gab es ein paar Überraschungen: Torte stand auf dem Tisch (Geburtstagstorte sozusagen) und mein Atlas wurde eingerenkt. Schon immer hatte ich mir gewünscht, diese Wirbelsäulenbegradigung einmal zu erfahren, und nun wurde das mein Hauptgeburtstagsgeschenk.

Glücklich war ich und dankbar, dass ich aus einer Pflicht entlassen war, nämlich der Pflicht, ein Modell entwerfen zu müssen, das von anderen kopiert werden konnte. Seit Jahren war ich darum bemüht gewesen, hatte mich mit etwas herumgeplagt, was ich selber nicht fassen konnte, was schwierig war und nicht in mein Tun passte. Immer wieder hatte ich Ansätze gemacht… Und jetzt an meinem Geburtstag sprachen alle Zeichen von etwas anderem, von Leichtigkeit und Strahlen, von Geschehenlassen und Offensein. Der Januar ging auf diese Weise zu Ende, der Februar brachte neue freudvolle Herausforderungen und auch der März war voll von grosser Freude und Beschwingtheit. Mehr denn je bin ich in der Welt unterwegs, in anderen Ländern mit unterschiedlichen Aufträgen.

Zur Zeit befinde ich mich in Torino am Po, wo ich schon seit zwei Wochen wohne. Die Umstände hierfür ergaben sich so nach und nach. Aus einer Einladung für ein paar Vorträge schloss sich eine Woche Urlaub an, wobei ich wieder darauf hinweisen möchte, dass es in meinem Leben diese Trennung zwischen Arbeit und Urlaub schon lange nicht mehr gibt. In den Augen der anderen sieht es allerdings anders aus, denn seit einer Woche werde ich nicht gefordert, kann mir die Tage frei gestalten. Wie wunderbar! Wie die Vögel unter dem freien Himmel für Kost und Logis etwas tun müssen (Mücken fangen und Nest bauen stelle ich mir nicht so einfach vor), damit sie am Leben bleiben, muss ich das natürlich auch. Und eine Schmarotzerin bin ich schon gar nicht. Also wie erhalte ich mich nun am Leben? Anders als in München, wo ich jeden Tag einen Anruf von neugierigen oder aufgeschlossenen Menschen erhielt, die mich zu sich einluden, um mich kennenzulernen und auch mit Kost zu versorgen, war es hier in Italien zunächst etwas anders. Die Italiener schienen mir zurückhaltender als die Münchener – bis auf Gaia! Gaia ist eine junge Frau, die ich bei einer Veranstaltung in meiner Arbeitswoche kennenlernte. Sie hatte sofort die Idee, mich in dem Haus ihrer Eltern einzuquartieren, die für einen Monat auf Reisen sind. So setze ich nun meine Beschäftigung als Haushüterin fort, giesse Blumen und belebe das Anwesen mit meiner Präsenz. Die inzwischen informierten Eltern, die schon vorher mein Buch gelesen hatten, sind mit meiner Einquartierung sehr einverstanden. Dennoch musste ich mich mit der Frage der Ernährung auseinandersetzen, und da hatte ich einen meiner Geistesblitze, die mir mein Leben so verschönern. Jemand hatte mir von dem ‚mercato di Porta Palazzo‘, einem der grössten Märkte Europas erzählt. Und auch, dass er täglich stattfände und nur bis 14.00 Uhr ginge. Ideal für meinen Plan, mich dort mit dem Nötigen zu versorgen. So ging ich am nächsten Tag zu Fuss (ich erledige hier alles zu Fuss) auf den Markt, wo ich mich mit einer jungen deutschsprachigen Frau traf. Wir hatten uns mit Tüten eingedeckt und schlenderten erst einmal locker durch die Reihen der Obst und Gemüsestände, um die Lage zu peilen. Schon bald jedoch gerieten wir in ein Sammelfieber, füllten unsere Tüten mit herumrollenden, gut erhaltenen Äpfeln, Apfelsinen, Zwiebeln, Kartoffeln, Salaten u.a. Anschliessend kochten wir gemeinsam und waren so begeistert von unserer Tätigkeit, dass wir uns für einen der nächsten Tage wieder verabredeten. Auch Gaia führte ich ein, und sie war genauso angetan von unserer Aktion.

Und die Scham? Was ist damit? Immerhin sind wir Akademikerinnen! Mir fällt dazu die Putzerei in Dortmund ein. Monatelang hatte ich nur geputzt, weil niemand etwas anderes von mir brauchte. Im Nachhinein weiss ich, dass die Übung für mich darin bestand, jeglichen Dünkel aufzugeben. Putzen ist genauso viel wert wie beraten. Wer bestimmt, dass ein Manager mehr leistet als eine Mutter? Warum wird Frauenarbeit immer noch geringer geschätzt und darum weniger bezahlt als die Arbeit der Männer?

Das Einsammeln der Früchte verstehe ich auch als Verhinderung von Verschwendung. Als ich das erste Mal von der Vernichtung einwandfreier Ware zur Erhaltung der Preise erfuhr, war ich empört, empfand ich das doch als Missachtung der Millionen Menschen, die täglich verhungern. Nein, es braucht keine Scham für etwas, was als Regulierung gesehen werden kann, vielleicht auch als Werschätzung für Mutter Erde, die uns schliesslich mit allem versorgt.

Der Aufenthalt in Turin hat mich wieder ein Stück weitergebracht im Vertrauen darauf, dass stets für uns gesorgt ist auf die unterschiedlichste und überraschendste Weise. Das Universum tut sein Bestes für jeden von uns, wenn wir es zulassen!

Einen sonnenreichen Frühling wünscht Heidemarie Schwermer

im April 2010

August 2010

Liebe LeserInnen,

die Sonne tut ihr Bestes. Sie schenkt uns einen weiteren Sommertag
voller Wärme und Helligkeit. Grund genug, um voller Schwung und Dankbarkeit
das neue Tagwerk anzugehen!
Bei mir sieht das so aus, dass ich heute endlich mal wieder etwas Zeit
Für einen neuen Text habe. In den Wochen vorher geschah es doch schon oft,
dass ich gerade mal meine mails beantworten konnte und dann meinen
Platz verlassen musste. Das sind die kleinen Hindernisse bei meinem
Lebensstil, dass ich mich manchmal etwas einschränken muss, weil die Gegebenheiten eben so sind. Längst habe ich gelernt, mich anzupassen, ohne dabei
einen Mangel zu empfinden. Wenn dann die Gelegenheit mir neue Perspektiven
bietet so wie heute, ist die Freude gross. Nichts ist selbstverständlich
oder Routine, alles hat einen Zauber von Überraschung an sich, und das
wiederum beinhaltet eine grosse Freude am Sein. Es ist wie in den
Kindertagen, in denen nur der Augenblick zählte. Die Auflösung von
Erwartung und Forderung gehört zu der grössten Errungenschaft in meinem
jetzigen Leben. Und so lebe ich inzwischen das, was ich schon als Kind
in die Poesiealben schrieb: Erwarte nichts! Heute, das ist dein Leben!

Und jedes Heute sieht anders aus! Nehme ich mal das heutige: Teresas
Laptop steht in ihrer grossen Wohnung, die ich ganz allein zur Verfügung habe, weil Teresa ihrer Arbeit nachgeht und erst abends zurückkehrt.
Darauf freue ich mich schon, denn unsere Gespräche weisen trotz unseres
Altersunterschieds intensive Tiefe auf. Der ganze Tag steht mir zur
alleinigen Verfügung, ohne Aufgaben oder Verpflichtungen – in der
„alten Welt“ wäre das ein Urlaubstag, in meiner Welt eine neue Form des Seins
In Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.

Nach dem Schreiben werde ich in den Generations Garten gehen, der vor
einem Jahr von einer Gruppe Menschen gegründet wurde, die ihre gesunde
Kost in einer Art „Subsistenzwirtschaft“ gemeinsam erarbeiten. Ich werde die frischen Kartoffeln und den Salat ernten für unser Abendessen. Ich dürfte das einfach so tun als Teresas Gast- sie gehört auch dieser Gruppe an. Ich habe aber für mich beschlossen, mindestens eine Stunde im Garten zu arbeiten, um meine Freude über diese Möglichkeit der Ernte kundzutun. So viel Frische erlebe ich nicht so oft bei meiner Ernährung.

Teresas Wohnung befindet sich in der Nähe von St.Pölten, das wiederum
nah bei Wien liegt. Alle viertel Stunde gibt die Kirchturmuhr lautstark die
Zeit an, ansonsten umgibt mich Stille, ein Geschenk, das ich sehr zu
schätzen weiss. Der Gang zum Generations Garten und zurück deckt den
täglichen Spaziergang, der mir wichtig für die Bewegung und die
Sauerstoffaufladung ist. Bücher in englischer, spanischer und deutscher
Sprache mit den unterschiedlichsten Themen laden mich ein, zu stöbern…

Eine Gruppe junger KünstlerInnen hatte mich nach St. Pölten eingeladen. Sie wollten mich bei ihrem alljährlichem Festival dabei haben, als Impulsgeberin sozusagen. Zwei Monate zuvor war ich als Impulsgeberin von einer anderen Gruppe in St. Pölten eingeladen, eine erstaunliche Tatsache, zumal sich beide Gruppen nicht kannten und ich sie zusammenführen konnte, Vernetzung auf ganzer Linie sozusagen.

Die Einladungen erfolgen inzwischen aus so unterschiedlichen Ecken, von
so unterschiedlichen Interessengruppen, dass ich voller Staunen bin.
Auch die Mails für Anfragen oder Stellungnahmen, für Kritik oder Bestätigung geben mir Zuversicht, dass immer mehr Menschen sich Gedanken darüber machen, dass es eine neue Herangehensweise in der Welt braucht!

Aber wie soll die aussehen? “ Am besten du fängst in einem Ort mit
deiner Idee an, in dem es viele Bedürftige gibt, Asylanten z.B.“, rät mir eine Bekannte.
Nein, denke ich, für mich geht es nicht mehr darum, ein Modell zu installieren,zu beweisen und überzeugen,voranzutreiben und zu machen, sondern vielmehr meine Idee in die Welt zu geben zur freien Verfügung. Ich habe losgelassen und freue mich einfach über Gemeinsamkeiten, über Vernetzungen, über Offensein für andere, über ein Miteinander, über Austausch. Damit schätze ich die „weibliche“ Energie – das Empfangende, Geschehenlassende -als Ergänzung zur kopflastigen Ausführung und Umsetzung der eigenen Ideen, was normalerweise zu Konkurrenz und Gegeneinander führt.
Jeder Mensch trägt bei zu einer bunten Vielfalt als Rädchen im Getriebe und soll geschätzt und beachtet werden!

Diese Gedanken habe ich im August 2010

Dezember 2010

Liebe Leser und Leserinnen,
ein Jahr geht zu Ende- ein sehr bewegtes Jahr- für mich jedenfalls!
War ich zu Beginn des Jahres ein wenig ratlos gewesen, weil meine Pläne
sich nicht verwirklichen liessen, weil ich mir etwas Neues ausdenken
musste und gar nicht wusste, was dieses Neue hätte sein sollen, so bin
ich doch erstaunt, wie sich alles ergeben hat. Einfach so, ohne Komplikationen.
Eine Einladung reihte sich an die andere, ein Vortrag löste den nächsten
ab, und ich hatte genügend zu tun.

Höhepunkt des Jahres war wohl die Weltpremiere für den Film „living
without money“ am 26.11.10 in Oslo. Immerhin wurde an dem Film lange
gearbeitet. Erst mit Ulrike Korbach aus Dortmund, die mich einige Jahre
filmisch begleitete und ihr ganzes Material an Line Halverson und Paolo
Pallavidino verkaufte, die dann nochmals zwei Jahre meine persönlichen
Erlebnisse festhielten. Dazu möchte ich bemerken, dass ich die
Filmemacher keineswegs um ihre Aufgabe beneidete. Ich bin nämlich keine gute
„Schauspielerin“, erledigte meinen job nicht gerade euphorisch und sah
ihn oftmals als Pflichtübung an. Im Gegensatz zu den negativen Stimmen aus
dem Internet, die “die Schwermer schon mal als mediengeil“ bezeichneten, tue
ich mich immer noch nach so vielen Erfahrungen schwer mit den Medien,
besonders wenn eine Kamera dabei ist. Wie glücklich war ich, als endlich
alles im Kasten war, die letzten Bilder eingefangen und zur Weiterverarbeitung bereit standen. Hatte ich an dem Ergebnis nach der Sicht des rough cuts zunächst einige Bedenken, weil ich das Gefühl hatte, meine wichtigsten Botschaften seien nicht dabei, beruhigte ich mich wieder und nahm alles so an, wie es war. Meine Reise nach Oslo und die dortigen Erfahrungen brachten mich ein
Stück weiter auf dem Weg der Bewusstseinserweiterung, der für mich das A und O meines jetzigen Lebens darstellt. Ich bin davon überzeugt, dass alles,
was mir begegnet, eine Rolle spielt, nichts geschieht einfach so und zufällig
sondern macht Sinn, wenn ich genau hinschaue.
In Oslo gab es mal wieder eine Lektion für Bescheidenheit. Dazu möchte
ich erläutern, dass mein Name Heidemarie von Adelheid kommt, was die Stolze
bedeutet. Den Stolz, den ich manchmal mit Hochmut gleichsetze, zu
bekämpfen, ihn zu überwinden, zählt zu meinen Hauptaufgaben in diesem
Leben. Wie oft wurde ich konfrontiert mit Situationen, die mich vor
Stolz beinahe platzen liessen. Da erinnere ich mich, wie meine Tochter mir mal
als Achtjährige nahebrachte: Ich würde nicht zu stolz auf meine Kinder sein! Sie waren so schön, so klug, so einsichtig. Das änderte sich total,
als sie ihren Ausstieg aus der Gesellschaft nahmen…
Gut, dieses Drama haben wir wunderbar gelöst. Wir alle sind daran
gewachsen. Auch die anderen Situationen nahm ich an und behandelte sie
so gut es ging.
Als ich in Oslo ins Kino kam und überall das Plakat von mir wahrnahm,
das mir so gut gefällt, dann unter den Zuschauern sass, um mit ihnen die
eingefangenen Szenen aus meinem Leben zu betrachten, breitete sich eine
große Freude in mir aus – oder war es etwa dieser Stolz, den ich nicht
mehr wollte?
Mir kam die Friedenspreisverleihung vor genau zwei Jahren in Florenz in
den Sinn. Auch da hatte ich mich zusammengenommen und meinen Stolz
bezähmt.
Inzwischen habe ich für mich erkannt, dass aus dem Stolz, der in
negativer Form sich über andere erhebt und sich mit anderen in Konkurrenz stellt,
eine Freude geworden ist, die mit positiver Ausstrahlung einhergeht und
die Welt ein bisschen besser macht. Meine Freude zu geniessen über die
Dinge, die mir vom Leben geschenkt werden und die anzunehmen ich
inzwischen gelernt habe, fühlt sich wunderbar an.

Eine andere wichtige Sache in diesem Jahr war der Eintritt in facebook für
mich. Es gibt schon so viele fb- Freunde und endlich eine Möglichkeit,
Texte und Situationen mit anderen zu teilen. Auch hier sehe ich eher das
Positive, weil diese Plattform mir zeigt, wie unwichtig Altersunterschiede
oder andere Merkmale sind und wie einfach Verständigung gehen kann.

Die Konferenzschaltung am 17.Oktober mit den „moneyless guys“ war auch ein
Höhepunkt in diesem Jahr. Zu wissen, dass es schon so viele Gleichgesinnte
gibt, die ihren Aus- oder besser Umstieg ebenso geplant und überdacht
haben wie ich, berührt und erfreut mich sehr. So kann ich sagen: Alles in
allem war es ein wunderbares, bewegtes Jahr für mich!

Für das neue Jahr wünsche ich das Allerbeste!
Heidemarie Schwermer im Dezember 2010

Juli 2011

Liebe Leserinnen und Leser,
Jetzt sind wir mitten drin im Sommer! Auf dem Kalender! Und wie sieht es in der Natur aus? Ein Tag zeigt das Barometer 35 an, am nächsten noch nicht einmal 20. Ich kann mich nicht erinnern, dass es solche grossen Schwankungen von einem Tag auf den nächsten, manchmal sogar von einer Stunde auf die nächste, schon mal gegeben hat. Ob das wohl etwas mit den vorausgesagten Klimaverschiebungen zu tun hat? Sollen wir üben, in jeder Beziehung zu nehmen, was kommt, ohne mit der Wimper zu zucken oder kritisch sein wie eine meiner Freundinnen, die mir jedesmal erzählt, dass die Regenmacher schon wieder am Werk waren. Die Streifen am Himmel sprechen eine deutliche Sprache, meint sie, die Wolken würden sich auf Geheiss bilden und so das Klima verändern. Was ich davon halten soll, weiss ich nicht so recht. Ich würde mich über gleichbleibende sommerliche Temperaturen einfach freuen…

Und sonst? Was gibt es zu berichten? Die Tage zwischen dem 5.7.11 und dem 9.7.11 seien ganz besonders erwähnenswert, hiess es vor ein paar Tagen in einer an mich gerichteten Mail. Pluto und Jupiter befänden sich in einer besonderen Konstellation zueinander. Die Menschen sollten ihre Visionen noch mehr klären und in den Kosmos schicken. Die jetzigen Schwingungen würden ein Übriges tun, um unsere Gedanken Wirklichkeit werden zu lassen.
Oder die Mails, in denen ich aufgefordert werde, in bestimmten Gruppen mitzumachen, um dadurch in der Welt Veränderungen zu erzielen, Unterschriften für Petitionen zu leisten, Mails weiterzuschicken an alle Freunde, um schneller etwas zu bewirken. Welche Macht hat das Internet?
Können wir mit ihm Revolutionen starten? Bilder aus Argentinien, Ägypten oder Spanien sprechen davon. Im Zeitalter der Information bleibt nichts mehr verborgen, alles wird aufgedeckt, wie einige der Skandale aus jüngster Zeit beweisen. Bringt das uns im Einzelnen auch weiter? Haben wir Chancen, unsere eigene Entwicklung damit zu beeinflussen oder ist das gar nicht wichtig?

Wie entstehen die Energien, und was bewirken sie? Warum springe ich heute Morgen voller Schwung durch die Gegend, singe und lache ohne Grund, einfach so. Ist mein Biorhythmus dafür verantwortlich- d.h. geht die Kurve nach oben- oder ist es der Engelbesuch, der mich zur Zeit beglückt?
Obwohl meine kritische Tochter mich warnte, diese Tatsache an die große Glocke zu hängen, wollte ich nicht von meinen Kritikern noch mehr belächelt werden, kann ich nicht umhin, an dieser Stelle davon zu berichten. Ein Freund fragte mich, ob er mir für die Dauer von fünf Tagen die Engel schicken dürfe. Ich könne meine drei wichtigsten Wünsche aufschreiben, in einen Umschlag tun, einen Apfel drauflegen und abwarten, was kommt. Die Engel würden alles tun, um diese Wünsche zu erfüllen.
Obwohl ich mich ständig von Engeln begleitet fühle, auch meine Wünsche erfüllt bekomme, nahm ich dieses Angebot als besondere Situation an. Ich bereitete alles für die Ankunft der Engel vor, hiess sie willkommen und spüre eine Leichtigkeit in mir, die in der letzten Zeit etwas abhanden gekommen war. Diese Leichtigkeit hatte ich vor 20 Jahren ganz stark empfunden, als ich die Engel entdeckte und mit ihnen zu arbeiten begann.
Die Leichtigkeit ist gekoppelt an eine große Freude, die im Körper auf und ab schwingt, alle Organe mit Kraft versorgt und Lebenselexier zu erzeugen scheint. Auf alle Fälle etwas für mich Unerklärliches, ein kraftvolles Gefühl, das mich auffordert, abzugeben, andere mit einzubeziehen in dieses Glück!

Ein Buchgeschenk einer Freundin handelt von Anastasia, einer jungen Frau, die in der russischen Taiga lebt und von ihrem Standort aus die Welt mit Informationen versorgt. In einem Kapitel wird beschrieben, wie sie ungeduldig mit dem Fuss aufstampft, um “von Gott” eine Information zu erhalten, nämlich darüber, was sie noch tun könne, um den Menschen effektiver bei ihrer Entwicklung zu helfen. Es wird berichtet, wie die Menschen das alte Wissen in sich wieder entfachen können, das sie befähigt, die brachliegenden 90% ihres Gehirns zu aktivieren und die Schöpferkraft in sich selbst zu spüren und anzuwenden. Diese Lektüre beseelt mich, weist sie doch auf Punkte hin, mit denen ich mich schon so lange herumschlage: Was können wir gemeinsam tun, um in unsere Kräfte hineinzuwachsen und für die Welt Erleichterung zu schaffen, Hunger und Armut zu überwinden und in Frieden ein neues Miteinander zu schaffen.
Welche Freude und Hoffnung breitet sich aus. Mosaiksteinchen für Steinchen fügt sich zusammen und bringt die Seele zum Jubeln.

Einen wunderschönen Sommer – egal bei welchem Wetter – wünscht Heidemarie im Juli 2011

 

Oktober 2011

Liebe Leserinnen und Leser,
in letzter Zeit häufen sich die Anfragen bei mir über die Machbarkeit eines Lebens ohne Geld. Finanzkrisen, Staatsverschuldung und andere Schlagwörter zu diesem Thema lassen die Menschen aufhorchen, nachdenken, nach neuen Wegen suchen. Was noch vor ein paar Monaten von vielen als absurd angesehen wurde, nämlich der Ausbruch aus den bestehenden Strukturen in eine Welt ohne Geld rückt nun näher in den Gesichtskreis oder die Bewusstheit.
Allerdings erscheint die Umsetzung einer neuen Struktur als außerordentlich schwierig. Wie kann es für den Einzelnen gehen, aus dem Bestehenden auszusteigen, um sich in dem Neuen einzufinden? Da die Zeiten vorbei sind, in denen eine Idee mit bestimmten Regeln nachvollzogen wurde mit genauer Vorgabe, welches der erste, zweite, dritte Schritt sein sollte, geht es heute darum in diesem Text, doch eine Hilfestellung für die eigene Weiterentwicklung anzubieten. Die „gib und nimm“ Bewegung dient dafür als Vorgabe. Der bunte Aufkleber, der als Zeichen für eine neue Zeit herhält, soll an dieser Stelle noch einmal in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Aufschrift „gib und nimm“ bedeutet keineswegs oder nicht mehr „gibst du mir, gebe ich dir“. Aus der horizontalen Bewegung -von mir zu dir- ist eine allumfassende geworden. Ich selber bin die Kontrolleurin meines Tuns. Ich selber fühle und entscheide, ob das Geben und Nehmen im Fluss ist. Es gibt kein Abrechnen, keine Spekulation hinter meinem Handeln, nur das Gefühl, das mich trägt und mir bestätigt, dass der Lebensfluss in Gang ist. Da das Geben und Nehmen (Empfangen) dem männlichen und dem weiblichen Prinzip zugeordnet werden kann, ist es mir wichtig, beide Pole zu benennen. Das Nehmen muss genauso gelernt werden wie das Geben, soll eine Einheit hergestellt werden.
Die Spirale auf dem Aufkleber ist zusätzlich als Zeichen für das weibliche Prinzip gedacht, wurde sie doch in matriachalen Gesellschaften als wichtiges Symbol verwendet. Da in den letzten Jahrhunderten das männliche Prinzip in den westlichen Gesellschaften Oberhand hatte – eine zielgerichtete Struktur, die überwiegend den Profit als Grundlage ansah- soll nun die Ergänzung durch das mütterliche, liebevolle ,verbindende Prinzip bewirkt werden.

Die Farben stehen für vier unterschiedliche Herangehensweisen in unserem Tun:
Grün für den Weg nach Innen, das Herausfinden darüber, wie ich wirklich leben möchte, was mir wirklich wichtig ist, was ich wirklich brauche. – Vom Ich zum Ich!
Gelb steht für die Auseinandersetzung mit den anderen. Welchen Spiegel halten sie mir vor? Was kann ich durch sie lernen? – Vom Ich zum Du!- Rot steht für das Miteinander. Was kann das Individuum für die Gesellschaft tun, wo sich einbringen?- Vom Ich zum Wir! – Blau steht für die Verbindung zum Universum. Wenn wir wissen, dass wir alle miteinander verbunden sind, dass wir alle aus einer Quelle stammen, der göttlichen, können wir aufhören, gegeneinander zu kämpfen, können beginnen, uns gegenseitig wohlwollend zu unterstützen. – Vom Ich zum Ganzen! –

Die Benutzung des Aufklebers – egal an welcher Stelle- steht zunächst für den Wunsch nach einer besseren Welt, in der die Menschen in Würde und Reichtum leben können. Für alle ist genug da bei entsprechender Herangehensweise. Was heißt das konkret für den Einzelnen, der das jetzige System nicht länger unterstützen möchte? Welche Schritte bieten sich an? Doch wohl nicht die Aufgabe seines gesamten Besitzes, seiner Wohnung, oder persönlicher Werte? Keineswegs, schließlich geht es nicht um die Kopie eines Weges sondern ums Herausfindens des eigenen Weges. Das allerdings ist die Voraussetzung für ein neues Leben. Jeder Mensch ist dazu aufgerufen, herauszufinden, wie er leben möchte, was ihm wichtig ist.
Letztendlich steht die Bewusstseinserweiterung an erster Stelle!

Da konkrete Handlungen hier benannt werden sollten, noch ein paar Hinweise
dazu:
Beim Einkaufen gibt es Vorüberlegungen- vielleicht einen Zettel, der strikt befolgt wird, damit Frustkäufe oder verschwenderische, überflüssige Ausgaben vermieden werden können. Es geht nicht um Geiz sondern um Erkenntnisse, die uns dazu bringen, durch weniger Geldausgaben in mehr Freiheit zu wachsen. Denn je weniger Geld ich brauche, desto freier werde ich.
Wenn etwas Neues dazu kommt, wird etwas Altes weggegeben.
Eine „gib und nimm“ Kiste wird in jedem Haushalt eingeführt. Dort werden Dinge hineingetan, die überflüssig geworden sind, aber gut erhalten. Jede Besucherin kann sich bedienen.
Nachbarn kochen zusammen, teilen sich Fahrrad oder Auto, veranstalten gemeinsame Abende, bieten sich gegenseitige Dienstleistungen an, öffnen ihre Herzen füreinander.
Mietzahlungen lassen sich vermeiden durch Hilfsangebote (Hausmeister, Gesellschafterin, Gärtner) in großen Häusern, in denen viel Platz für Mitbewohner ist.
Medizinische Eingriffe und Beschaffung von Medikamenten können verhindert werden durch unsere Selbstheilungskräfte.
Es geht um ein Umdenken auf ganzer Linie, um neue Werte, die in alle Belange reichen! Der Kreativität für eine neue Herangehensweise sind keine Grenzen gesetzt.
In diesem Sinne grüßt Heidemarie im Oktober 2011

Dezember 2011

Guten Morgen, liebe LeserInnen,
welch wunderschöner Tag! Bei strahlendem Dezemberhimmel pfeift ein Windchen um die Ecke und verschafft mit seinem Konzert eine große Freude in mir. Wie unterschiedlich wir allein solche Stimmungen beurteilen, zeigt das Verhalten meiner Freundin P., bei der ich gerade wohne. Sie mag den Wind überhaupt nicht, wünscht ihn weg, während ich in ihm schwelge.
Sich trotz solcher Wahrnehmungsschwankungen eins zu fühlen, ist eine Kunst für sich. Wie leicht lassen wir uns verunsichern durch andere, trauen unseren eigenen Gefühlen nicht über den Weg, verwerfen sie und passen uns dem „mainstream“ an. Dabei geht es darum, zu uns zu stehen, das, was in uns zum Vorschein kommt, zu akzeptieren und gutzuheissen. Das sind nicht immer nur positive Gefühle. Manchmal sind sie ganz schön negativ, setzen uns zu, bringen uns in Verzweiflung. Wenn wir wissen, dass alles einen Sinn hat, wenn wir wissen, dass die Schatten angeschaut werden wollen, damit sie sich auflösen können, werden wir auch sie mit Wohlwollen begrüßen, sie annehmen und uns mit ihnen beschäftigen. Wie oft geschieht es, dass ein Gefühl, das wir schon viele Male bearbeitet hatten und das auch aufgelöst zu sein schien, sich doch wieder meldet mit einer Vehemenz, die uns zu schaffen macht. Warum ist das so? Warum können wir nicht einfach in Freude wachsen? Müssen wir in die Verzweiflung gehen? Immer wieder?
Eine meiner Freundinnen ärgert sich oft über mich, und zwar immer dann, wenn ich ins Schwärmen komme über mein paradiesisches Leben. Meistens bin ich so glücklich, fühle mich rundherum getragen und geliebt, dass es in mir jubelt und jauchzt. In solchen Momenten tanze ich durchs Leben, strahle und drücke auch verbal aus, was da in mir geschieht. Meine Freundin M. tut sich schwer mit der Akzeptanz dieser Gefühle, weil für sie das Leben mit Leid verbunden ist. Sie stöhnt und seufzt häufig, was wiederum mich nervt. Für sie bin ich authentischer, wenn ich mich menschlicher zeige, wie sie sagt. D.h.mit all meinem Leid, die Freude sollte als seltenes Geschenk genommen werden und nicht als Grundstimmung! Hoi, das stimmt für mich gar nicht!

In meinen Vorträgen erkläre ich häufig, dass ich in der kosmischen Ebene lebe und aus ihr heraus agiere, nach den kosmischen Gesetzen sozusagen. Dabei deute ich mit meiner rechten Hand in einer Bewegung nach oben an, wie sich mein Leben aus einer höheren Sicht gestaltet. Aus der Einheit heraus, was ich als Kosmos bezeichne, fühlt sich alles als richtig und gut an. Es braucht keine schmerzvollen Gefühle, keine Unglücksmomente, die in unserem irdischen Dasein oft genug auftreten. Aus den irdischen Qualen herauszutreten, hat nicht mit Verdrängung zu tun, nicht mit Übertünchen sondern einfach mit der Erkenntnis, dass die Einheit keine Mängel, keine Fehler kennt. In der Einheit ist alles gut, wie es ist. Störungen lösen sich auf, wenn wir bereit sind, auch sie als Geschenke zu sehen, als Geschenke, die uns geschickt werden, damit wir alte Muster auflösen und Neues ausprobieren können.
In dem gestrigen Fernsehfilm – einem Fantasy oder Märchenfilm- tauchte dieses Thema auf. Ein 20jähriges Mädchen, das mit einem Fluch belegt war und ein auffälliges Merkmal im Gesicht trug, das die Männer abschreckte, konnte nur erlöst werden, wenn sie einen Mann fände, der sie aus vollem Herzen liebte. Alles wurde ausprobiert, um so einen zu finden, jedoch ohne Erfolg. Erst als das Mädchen anfing, ihr Handicap zu akzeptieren, sich selber totz ihrer großen Nase zu lieben, wurde sie von ihrem Leid befreit und fand schließlich einen Partner.
Sagen wir ja zu uns, zu unseren Situationen, unseren Aufgaben, unseren Fehlern und Mängeln. So wie wir sind, sind wir wunderbar und gewollt. Wir müssen uns nicht vergleichen, nicht anstrengen, nicht konkurrieren, dürfen durch das Leben tanzen in Liebe und Freude.

So eine schöne Botschaft sende ich euch im Dezember 2011

April 2012

Liebe Freundinnen und Freunde,
was für ein schöner Ostermorgen , mit Sonnenschein, Vogelgezwitscher und den vielen vielen bunten Blumen. Muss uns da nicht das Herz aufgehen?

Eine junge Frau fragte mich neulich in einem Interview, was in meinem eigenen Leben und überhaupt im Leben das Glück ausmacht? Was Glück ist und wann es sich zeigt. Tja, lässt sich das so leicht erklären? Bedeutet Glück nicht für jeden von uns etwas anderes? Meine Recherchen in dieser Frage bringen mich zu folgendem Schluss: Es ist egal, welche Situationen uns ins Glück bringen. Diese sind unterschiedlich und individuell. Das Ergebnis ist übertragbar und hat mit dem Gefühl zu tun, dem Gefühl des „flows“ oder besser auf Deutsch des Fließens in uns. Was genau fließt denn da? Als Psychotherapeutin habe ich oft mit den inneren Gefühlen und Bildern gearbeitet. Meine Klienten wurden aufgefordert, in ihrem Inneren zu forschen. Dazu schlossen sie ihre Augen und begaben sich in ihren Körper gedanklich und auch mit den inneren Augen. Meistens entdeckten sie tatsächlich Bilder oder Bildabfolgen, die sie in Kontakt mit sich und ihren Problemen und Lösungen brachten. So konnten sie Farbe und Form der Hindernisse in sich genau beschreiben, konnten mit ihnen reden, ihnen danken und sie wegschicken, weil nun etwas Neues angesagt war. Das Auflösen von alten Mustern, die uns von Kindheit an in der Mangel hatten, beschert vielen Seelenarbeitern das allergrößte Glück, eine unbeschreibliche Erleichterung. Zu merken, dass wir nicht länger ohnmächtig miterleben müssen, wie wir schon wieder in diese verflixte Schwere fallen, ist wunderbar. Zu merken, dass wir selber unser Leben gestalten, Probleme auflösen, Knoten platzen lassen können, um im Lebensfluss mitzuschwingen und zu fließen, macht Freude, die wiederum Glück bedeutet.
Nicht ein Urlaub nach Hawaii, nicht die Anerkennung unserer Mitmenschen für unser Tun oder der Kauf eines neuen Stücks macht auf Dauer glücklich, sondern die Intensität des Augenblicks, die Wahrnehmung der Kleinigkeiten um uns herum lässt unsere Seele jauchzen.
Und wie kann das gehen, dass wir in dieses Gefühl kommen? Stellt es sich von selbst ein, oder müssen wir etwas dafür tun, uns anstrengen? Für mich gibt es nichts Schöneres als meine Seele in Schwung zu bringen, ihr einen Nährboden zu schaffen, in dem sie sich suhlen kann. Klar gibt es einiges zu beseitigen, um die Leichtigkeit zum Leben zu erwecken. Die Störungen wollen angeschaut werden. Das Sprichwort „leicht ist schwer“ passt.
Verweigern wir diese wichtige Arbeit, werden wir immer wieder in ähnliche Situationen geraten, die die Schwere herbeiziehen. Wir werden uns beklagen über die Ungerechtigkeit, der wir ausgesetzt sind, über die bösen anderen bis wir den Schlüssel für die Tür ins Glück finden: den Kontakt mit unseren Schattenseiten herzustellen und uns über den kleinsten Fortschritt zu freuen.
Eine Übung möchte ich an dieser Stelle weitergeben: Immer wenn ein Druck sich in meiner Magengegend einstellen will, grundlos und dennoch mächtig, nehme ich sofort Kontakt damit auf. Ich spreche mit dem Druck, den ich so gut aus früheren Zeiten kenne, begrüße ihn und bedanke mich gleichzeitig für die getane Arbeit in der Vergangenheit. Dann erkläre ich ihm, dass er heute nicht mehr nötig ist und entlasse ihn somit in die Weite des Universums. Ich erzähle ihm, dass er nicht mehr gebunden ist an meinen Körper und sich einen „lauen Lenz“ in der Weite machen kann. Meistens verschwindet er hocherfreut und schafft Platz für die Leichtigkeit. Wenn er allerdings nicht zum Platzwechsel bereit ist, geht kein Weg an einer Arbeit mit meinen Konflikten vorbei. Die Bewusstseinsarbeit- so nenne ich das- macht alles neu, wie der Frühling.

Herzlich grüßt Heidemarie im April 2012