Dezember 2011

Guten Morgen, liebe LeserInnen,
welch wunderschöner Tag! Bei strahlendem Dezemberhimmel pfeift ein Windchen um die Ecke und verschafft mit seinem Konzert eine große Freude in mir. Wie unterschiedlich wir allein solche Stimmungen beurteilen, zeigt das Verhalten meiner Freundin P., bei der ich gerade wohne. Sie mag den Wind überhaupt nicht, wünscht ihn weg, während ich in ihm schwelge.
Sich trotz solcher Wahrnehmungsschwankungen eins zu fühlen, ist eine Kunst für sich. Wie leicht lassen wir uns verunsichern durch andere, trauen unseren eigenen Gefühlen nicht über den Weg, verwerfen sie und passen uns dem „mainstream“ an. Dabei geht es darum, zu uns zu stehen, das, was in uns zum Vorschein kommt, zu akzeptieren und gutzuheissen. Das sind nicht immer nur positive Gefühle. Manchmal sind sie ganz schön negativ, setzen uns zu, bringen uns in Verzweiflung. Wenn wir wissen, dass alles einen Sinn hat, wenn wir wissen, dass die Schatten angeschaut werden wollen, damit sie sich auflösen können, werden wir auch sie mit Wohlwollen begrüßen, sie annehmen und uns mit ihnen beschäftigen. Wie oft geschieht es, dass ein Gefühl, das wir schon viele Male bearbeitet hatten und das auch aufgelöst zu sein schien, sich doch wieder meldet mit einer Vehemenz, die uns zu schaffen macht. Warum ist das so? Warum können wir nicht einfach in Freude wachsen? Müssen wir in die Verzweiflung gehen? Immer wieder?
Eine meiner Freundinnen ärgert sich oft über mich, und zwar immer dann, wenn ich ins Schwärmen komme über mein paradiesisches Leben. Meistens bin ich so glücklich, fühle mich rundherum getragen und geliebt, dass es in mir jubelt und jauchzt. In solchen Momenten tanze ich durchs Leben, strahle und drücke auch verbal aus, was da in mir geschieht. Meine Freundin M. tut sich schwer mit der Akzeptanz dieser Gefühle, weil für sie das Leben mit Leid verbunden ist. Sie stöhnt und seufzt häufig, was wiederum mich nervt. Für sie bin ich authentischer, wenn ich mich menschlicher zeige, wie sie sagt. D.h.mit all meinem Leid, die Freude sollte als seltenes Geschenk genommen werden und nicht als Grundstimmung! Hoi, das stimmt für mich gar nicht!

In meinen Vorträgen erkläre ich häufig, dass ich in der kosmischen Ebene lebe und aus ihr heraus agiere, nach den kosmischen Gesetzen sozusagen. Dabei deute ich mit meiner rechten Hand in einer Bewegung nach oben an, wie sich mein Leben aus einer höheren Sicht gestaltet. Aus der Einheit heraus, was ich als Kosmos bezeichne, fühlt sich alles als richtig und gut an. Es braucht keine schmerzvollen Gefühle, keine Unglücksmomente, die in unserem irdischen Dasein oft genug auftreten. Aus den irdischen Qualen herauszutreten, hat nicht mit Verdrängung zu tun, nicht mit Übertünchen sondern einfach mit der Erkenntnis, dass die Einheit keine Mängel, keine Fehler kennt. In der Einheit ist alles gut, wie es ist. Störungen lösen sich auf, wenn wir bereit sind, auch sie als Geschenke zu sehen, als Geschenke, die uns geschickt werden, damit wir alte Muster auflösen und Neues ausprobieren können.
In dem gestrigen Fernsehfilm – einem Fantasy oder Märchenfilm- tauchte dieses Thema auf. Ein 20jähriges Mädchen, das mit einem Fluch belegt war und ein auffälliges Merkmal im Gesicht trug, das die Männer abschreckte, konnte nur erlöst werden, wenn sie einen Mann fände, der sie aus vollem Herzen liebte. Alles wurde ausprobiert, um so einen zu finden, jedoch ohne Erfolg. Erst als das Mädchen anfing, ihr Handicap zu akzeptieren, sich selber totz ihrer großen Nase zu lieben, wurde sie von ihrem Leid befreit und fand schließlich einen Partner.
Sagen wir ja zu uns, zu unseren Situationen, unseren Aufgaben, unseren Fehlern und Mängeln. So wie wir sind, sind wir wunderbar und gewollt. Wir müssen uns nicht vergleichen, nicht anstrengen, nicht konkurrieren, dürfen durch das Leben tanzen in Liebe und Freude.

So eine schöne Botschaft sende ich euch im Dezember 2011