Februar 2015

Liebe Leser, liebe Leserinnen,,
Vertiefung, Intensität, Erkenntnisse, das sind Begriffe, die mir in letzter Zeit öfter als sonst durch den Kopf gehen. Wie schaffe ich es, die Ideen, die mir so wichtig sind, weiterzugeben, ohne zu missionieren?
Wenn die Menschen zu mir sagen: ist ja interessant, was Sie da machen, aber für mich ist das nichts, denke ich jedesmal, daß es wieder falsch herüber gekommen ist, was ich meine. Niemand soll es so machen wie ich!
(jedenfalls noch nicht heute! Eine Welt ohne Geld ist natürlich mein
Ideal)) Aber vorstellen, neue Strukturen erkennen, Altes loslassen- darum geht es auch schon heute.
Wie wollen wir eine neue Welt erschaffen, wenn unsere Phantasie, unsere Vorstellungskraft nicht mitspielt?

Mein neues Buch „Das Sterntalerexperiment II- mein Weg nach Innen“ dient mir als Arbeitsunterlage. In Gesprächsrunden- das sind kleine Gruppen, in denen jedeR zu Wort kommen sollte- nehme ich eine Geschichte aus dem Buch als Grundlage zum Gespräch. Bin ich z.B. von einem Tauschring eingeladen, nehme ich eine Geschichte, die etwas über Tauschringe sagt, zum Vorlesen.
Neulich war ich in einer Gruppe von Menschen, die ihre Kinder großgezogen hatten und nun mit oder ohne Partner das Haus bewohnen, das vorher der ganzen Familie Obdach gab. Eine meiner Ideen ist, Menschen zusammenzubringen, die unterschiedliche Dinge anzubieten haben. Z.B. dass die Menschen mit den großen Häusern ihre Türen öffnen könnten für diejenigen, die in kleinen Wohnungen hausen und sich keinen Urlaub erlauben können. Inzwischen gibt es schon ein paar Kombinationen: Frauen haben sich miteinander angefreundet, und die Besucherin hütet auch schon mal das Haus und hat dabei Urlaubsgefühle, wenn die Besitzerin auf Reisen geht.

Ich weiß, dass es einige Einrichtungen gibt, die dieses Prinzip umsetzen.
So hat mein Sohn, der in einer großen Wohnung lebt, oft Besuch von jungen Leuten aus Indien, China, Spanien, England und anderen Ländern. Die Besucher bleiben meist eine Woche, helfen beim Renovieren oder anderen kleinen Arbeiten im Haus. Anschließend machen sie gemeinsam Musik oder Sport. Meine Enkelin freut sich über die Besucher, weil sie dann ihr Englisch verbessern kann. Die Organisation, die das weltweit anbietet, heißt „helpx“ und wendet sich meist an junge Leute, die gern günstig reisen.

In Freiburg und sicherlich auch in anderen Städten wohnen Studenten kostenfrei in solchen Häusern, wo sie dann im Haushalt mithelfen und andere kleine Arbeiten verrichten. Hier gibt es – wie bei „gib&nimm“- ein paar Regeln, die von beiden Seiten eingehalten werden müssen.

Anders als bei „couchsurfing“, wo die BesucherInnen einfach kommen, weil sie den Ort kennenlernen wollen und dafür weder mitarbeiten müssen noch sich irgendwie einbringen, soll bei „gib&nimm“ mindestens eine Stunde im Gegenzug gearbeitet werden oder auch zwei. Ich selber habe so angefangen.
Inzwischen gibt es für mich nicht einmal mehr Überlegungen für ein Tun.
Ich tue, was nötig ist, als wäre es mein eigenes Domizil. Manchmal tue ich auch gar nichts, sowie in der Zeit, als ich so krank war. Da mein Netzwerk ziemlich groß geworden ist in den letzten Jahren, kehre ich an Orte zurück, bei denen alle Regeln überwunden sind und wir uns wie eine Familie fühlen. (meine Idealvorstellung für die Zukunft) Das allerdings will gelernt sein. Geduld brauchen wir und offene Herzen.
Wenn die ‚Chemie‘ nicht stimmt, kann es schon mal geschehen, dass das Mitwohnen abgebrochen wird. Zwei oder dreimal habe ich das erlebt. Obwohl mir ein neues Miteinander vorschwebt, bei dem die Menschen sich liebevoll begegnen, weiß ich um die Schwierigkeit in unserer heutigen Gesellschaft.
Nicht mit einem Schnipp werden sich die Umstände verändern. Übung macht die Meister. Dass wir heute schon mit dem Üben anfangen können, dürfen wir durchaus als Geschenk ansehen.

Auch die „gib&nimm“ Kisten oder Läden spielen eine Rolle zur Zeit. Es gibt sie schon an vielen Orten. Andere Gruppen spielen mit und nennen sie „gift box“ oder „Schenkökonomie“ oder „Umsonstladen“. Bei allen geht es um das Schenken, bedingungslos und freudvoll. Wie oft wurde mir schon bedeutet, dass der Begriff „gib&nimm“ sich ändern sollte, damit die Abrechnerei- gibst du mir, so gebe ich dir- aufhören könnte. Ich finde auch, dass die Abrechnerei nicht bestehen bleiben darf in Zukunft. Aber mir erscheint es wichtig, auch auf das Empfangen hinzuweisen. Geben und Nehmen will gelernt sein! Wenn das Nehmen oder besser Empfangen nicht vollzogen wird, gibt es einen Stau und alles dümpelt vor sich hin. Der Lebensfluß braucht das
Sowohl- als -auch.

Herzlich grüßt Heidemarie im Februar 2015