Juli 2013

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

nun ist es soweit, alle Vermutungen und Ahnungen sind dem Wissen gewichen:

Es ist ein Cervix/ Carcinom, eine Krebserkrankung im fortgeschrittenem Stadium.Eine Einweisung als Notfall erfolgte nach der „zufälligen“ Untersuchung, eine Woche der Berg- und Talfahrt daraufhin, vorübergehende Entlassung, um dann für eine große Operation bereit zu sein, die nächste Woche stattfinden soll.

Somit kann ich endlich die ständig gestellte Frage: Und was machen Sie, wenn Sie mal krank sind? beantworten. Was mache ich? Als erstes habe ich alle Veranstaltungen und Einladungen abgesagt, die in meinem Kalender standen. Natürlich bin ich auch nicht weitergereist sondern geblieben, wo ich gerade war: bei Gabriele. Sie ist Ärztin, studierte Schulmedizinerin, die sich in vielerlei alternativen Heilmethoden weiterbildete und mit Leib und Seele ihre Erkenntnisse an den Mann/ die Frau bringt. So werde ich mit Vitaminen verschiedenster Art versorgt – besonders rote Früchte und Beeren machen den unangenehmen Zellen den Garaus. Im Regal steht ein Buch mit dem Titel: Krebszellen mögen keine Himbeeren. Himbeeren gibt es in Gabrieles Garten zuhauf, und so wird den ungebetenen Gästen zu Leibe gerückt. Es gibt Fußbäder zur Ausleitung der Gifte, Lichtbestrahlung, elektrische Zuführung von positiv/negativ für eine Balance und und und Ich bin unendlich dankbar für die Zuwendungen und Kreationen von Gabriele, die immer wieder Neues und Altes aus ihrem Repertoire schöpft.

Und dann die HeilerInnen von außerhalb. Gerade sind meine drei Wünsche unterwegs zum großen Meister „ Joa de Deus“ aus Brasilien, der an diesem Wochenende in Basel weilt. Eine Frau, die mich im Internet entdeckt hatte und mich für eine Veranstaltung bei sich einladen wollte, bot mir an, bei ihrem Meister für mich vorzusprechen.

Gestern war Sonja da, eine Hellsichtige, die ihre Klienten aus dem Bauch heraus behandelt und zu neuen Erkenntnissen führt. Eva- Maria , die fähige Homöopathin verabreichte mir die passenden Globolis. Und dann gibt es unzählige Energiearbeiter, die mir von Ferne ihre Heilkräfte schicken.

Bei diesen ganzen Aufzählungen könnte sich die Frage stellen, ob es nicht zu viel des Guten sei nach dem Spruch: Viele Köche verderben den Brei. Das empfinde ich ganz und gar nicht, denn ich spüre die große Verbundenheit mit allem und jedem, kann jeden Rat, jeden Tipp von jedermann/frau mir anschauen und anwenden oder- wenn ich das so empfinde, mich bedanken und aufschieben, was gerade nicht passt.

Die Frage „lasse ich mich operieren oder versuche ich mein Bestes mit meinen eigenen Selbstheilungskräften und der Hilfe Gottes wie die letzten

25 Jahre ohne Schulmedizin?“ brachte mich in so manches Tal in den letzten Tagen. Der Steinbock in mir wollte sich nicht kleinmachen, nicht seine Herrschaft aufgeben, sich einem System unterordnen, für das er nicht viel übrig hat. „Ich schaffe es, ich schaffe es nicht, ich schaffe es…das Spiel mit den Gänseblümchen aus meiner Kindheit hielt Einzug und zeigte mir eine Situation aus meinem früheren Leben, in dem ich oft von schweren Zweifeln geplagt gewesen war. In meinen Vorträgen hatte ich mit Enthusiasmus darauf hingewiesen, wie wunderschön ein Leben im Vertrauen sei, ohne diese schrecklichen Zweifel! Ich erntete viel Bewunderung meiner Zuhörer, weil ich so mutig war. Allerdings gab es noch keine Erfahrung mit einer wirklich lebensbedrohenden Situation. Die wurde mir nun nachgereicht, und ich verspüre wirklich große Dankbarkeit dafür, sehe sie als riesige Chance, noch etwas aufzuarbeiten, was ich für dieses Leben schon abgehakt hatte. Es ginge zu weit, die ganze Problematik hier aufzuführen und ich meine, es ist meine ganz eigene Geschichte, die für andere nicht unbedingt interessant sein muss.

Warum ich den Text dennoch hier hineinstelle, hat mit den Gefühlswallungen der letzten Woche zu tun, in denen ich mich als Todgeweihte befand und mir vorstellen kann, dass es Millionen von Menschen gibt, die sich mit ähnlichen Themen herumschlagen. Sterben müssen wir alle, aber wissen wann, wollen die wenigsten. Als ich vor ein paar Jahren das Buch „Mein Ende ist ein Anfang“ von Tiziano Terzani gelesen hatte, in dem er sein letztes Jahr dazu benutzte, mit seinem Sohn zusammen sein gesamtes Leben zu überdenken und aufzuschreiben, ein Buch, das das Herz berührt, hatte ich gedacht: Ich möchte auch wissen, wann ich sterbe!

So, und nun ist es soweit. Die erste Angst vor dem Tod hatte mit den Abschieden zu tun. „Ich will meine Kinder nicht allein lassen,“ schluchzte ich, irgendwie vergessend, dass diese erwachsene Menschen sind, die gut allein zurechtkommen. In den letzten Tagen haben mir beide bewiesen, wie sehr. Meine Tochter Natalia, die inzwischen Gesundheits- und Ernährungsberaterin ist, gab mir wertvolle Tipps. Und auch mein Sohn Demian, der sich mit Themen auseinandersetzt, die in die Tiefe gehen, hatte sofort ein paar wichtige Hinweise für mich. Beide bestärkten mich darin, dass sie mich loslassen werden, wenn es sein muss.

Auch meine Geschwister melden sich und beruhigen mich.

Heute ist Montag, der Tag, an dem ich ins Krankenhaus sollte. Ich bin nicht gegangen, habe zunächst alles aufgeschoben, um mir selber noch eine Chance zu geben für Klärung und Heilung. Ich spüre wieder meine alte Kraft in mir, die mich bislang geleitet hat, eine große Zuversicht, Vertrauen und den göttlichen Schutz. „Dein Wille geschehe“ – der wichtigste Satz in meinem Leben breitet sich wieder in mir aus, und ich bin bereit für das, was kommt.

Ach, die Frager von „Und was machen Sie, wenn Sie krank sind“ und damit die finanzielle Seite meinen, möchte ich beruhigen. Ich bin seit 6 Jahren „automatisch“, weil ich ja meine Rente bekomme, die ich komplett verschenke, auch krankenversichert.

Falls dieses mein letzter Eintrag auf meiner Seite sein sollte, bedanke ich mich bei allen meinen LeserInnen aufs herzlichste für das mir entgegengebrachte Interesse und die Zuwendungen. Ich weiß das sehr zu schätzen, bin glücklich über mein Leben in der Fülle, voller Wunder und der Liebe, die mir entgegen strömt.

Einen schönen Sommer mit viel Freude wünscht Heidemarie im Juli 2013