Juli 2015

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

als ich gestern den Artikel in der Zeitung las, dachte ich, es handele sich um eine Persiflage. Da hätten einige Reporter sich einen Aprilscherz mitten im Juli erlaubt. Die Überschrift lautete: Tschibo verkauft fünf Wochen lang Trauminseln! Ein Inselbesitz sei deswegen attraktiv, weil es keine Nachbarn gäbe, und überhaupt sei es ein Statussymbol.
Ob die Indianer damals, als sie ihr Kreuzchen unter Verträge setzten, die sie nicht verstanden und sich damit aus ihrem Paradies vertrieben, ähnlich gedacht hatten wie ich heute, kann ich nicht beurteilen. Auf alle Fälle weiß ich, dass sie niemals damit gerechnet hatten, dass Menschen sich anmaßen würden, sich die Erde Untertan zu machen und sie nach und nach zu zerstören, statt im Gleichgewicht mit ihr zu leben, wie die Ureinwohner es bislang gemacht hatten.
Auch die Nachricht der Wasserausbeutung von Nestle in der ganzen Welt klang für mich zunächst unglaubwürdig. Wie kann sich jemand erdreisten, die Erde nach Wasserreserven abzusuchen, das Wasser aus der Tiefe hoch zu pumpen, es in Flaschen abzufüllen und es für Geld zu verkaufen? In dem Film wurde gezeigt, wie die Einwohner auf der Strecke blieben, ohne Wasser, weil sie sich den Kauf der Flaschen nicht leisten konnten. Wir alle wissen um solche Ausbeutungen, haben uns mehr oder weniger darüber aufgeregt, eventuell versucht, Schlimmeres zu verhindern, meist ohne Erfolg. Die „Mächtigen“ sind mächtig, weil bislang alles mit Geld erreicht werden konnte. Geld regiert die Welt – dieser Slogan machte Karriere!

Doch gerade geschieht etwas, was sich ganz anders anfühlt. Immer mehr Menschen denken über Alternativen nach und handeln entsprechend.
Sogenannte Statussymbole wie Autos, große Häuser und andere Besitztümer sind keine mehr, weil die Menschen einfach auf sie verzichten.
Gemeinschaftliches Miteinander Wohnen ist gefragt, carsharing- ein Auto für viele, foodsharing – keine Verschwendung mehr. Frankreich schuf gerade ein neues Gesetz, in dem Wegwerfen von Lebensmitteln verboten wird, andere Länder folgen.

Das Miteinander ist gefragt, will aber auch geübt sein, denn Nachbarn sind oft nervig und zwingen zum Umzug! Das Gegeneinander, das bislang in Streit, ja, in Kriegen endete, sucht neue Formen. Wir leben in einer super spannenden Zeit, in der jeder Mensch zum Mitmachen aufgerufen wird. Die Zeit der Leibeigenschaft ist längst vorbei, die Hamsterräder werden gerade abgeschafft. Junge Leute leben vegan, weil sie ihre Freunde, die Tiere, schützen möchten. Auch die „Armen und Benachteiligten“ schaffen gerade neue Regeln, sind nicht mehr bereit, in Demut zu verhungern, versuchen, ihr Leben zu retten. Der riesige Flüchtlingsstrom schafft neue Strukturen.
Auch die Regierungen der sogenannten reichen Länder werden gezwungen, neue Strukturen zu schaffen. Wie können wir alles unter einen Hut bringen? Wie soll die „dritte Welt“ gleichberechtigt, die Schere zwischen Arm und Reich aufgelöst werden? Fragen über Fragen!
Herzöffnung ist angesagt! Ja, wie soll das dann gehen? Im Kleinen, jede bei sich, so nach und nach den Radius vergrößernd, Vernetzungen praktizierend und weitergebend, die bedingungslose Liebe entdecken, zu sich selbst, dem Nächsten und den ehemaligen“Feinden“. Ein wunderbares Betätigungsfeld, abenteuerlich und aufregend. Jede Situation kann Erkenntnisse bringen, wenn wir wach und aufmerksam sind. Krankheiten, Schmerzen, Unannehmlichkeiten – alles sind Lektionen, ja, Geschenke für uns, will uns weiterbringen in unserer Entwicklung. Auch die Zeit des ausgeliefert Seins geht dem Ende entgegen. Wir entdecken unsere Macht, sind mächtig, weil selbstbestimmt. Kritik, die uns früher zerstört hätte, können wir heute als Pegel für unsere Stabilität nehmen, uns über sie freuen, an ihr lernen und dankbar sein.

Gerade heute wird uns eine globale Übung präsentiert. Griechenland wird am heutigen Sonntag in einem Referendum eine Entscheidung treffen für die nächsten Schritte. Ja oder nein soll auf einem Wahlzettel angestrichen werden. Stimmen wurden laut, die nicht verstehen, warum das Volk so eine folgenschwere Entscheidung selber treffen soll, es wäre doch viel eher Aufgabe der Politiker. Für mich wieder ein Zeichen, dass es in Zukunft nicht mehr darum geht, dass die sogenannten Mächtigen, die Politiker allein fürs Volk entscheiden, sondern dass jeder Einzelne gefragt ist, sich Gedanken machen muss über die nächsten Schritte auch im politischen Bereich. So wird die heutige Entscheidung nicht nur ein Volk betreffen sondern die ganze europäische Gemeinschaft. Vielleicht bricht etwas auseinander oder eine neue Solidarität entsteht – wer weiß, was geschieht.
Vielleicht werden Schulden erlassen oder der Gürtel noch enger geschnallt.
Alles ist möglich und bleibt spannend.

Als ich vor 20 Jahren die „Gib&Nimm Zentrale“ in Dortmund gründete und mir Gedanken über nötige Regeln machte, entschloss ich mich, den Kosmos mit einzubeziehen, auf Formen der Abrechnung zu verzichten, einen Ausgleich der tauschenden und teilenden TeilnehmerInnen mit Hilfe der geistigen Welt zu schaffen.
Heute geht es mir darum, in Zukunft die Weite spürbar zu machen, unser Dasein auf eine andere Ebene zu bringen, die Wunder für alle erlebbar werden zu lassen. So können wir ganz im Vertrauen leben, unsere Ängste abbauen, uns gegenseitig wohlwollend begegnen und uns in der Liebe einpendeln.

Herzlich Heidemarie im Juli 2015