Juni 2009

Liebe Leser und Leserinnen,

wie sieht es mit der Aktualität bei „gib und nimm“ aus? Geht es weiter, und wenn ja, was?

Ein wichtiger Punkt sind nach wie vor die E-Mails, die mich erreichen.

Anfragen, Angebote, Vorschläge, Kritik – von allem gibt es etwas.

Vielleicht werde ich demnächst einen Auszug daraus zusammenstellen und

hier veröffentlichen. Ich habe nämlich bemerkt, dass auch andere

Menschen sich angesprochen fühlen durch die interessanten Beiträge.

Vorträge mache ich sporadisch, nicht mehr hauptsächlich wie in den letzten Jahren.

Auch mit den Medien habe ich mir eine Auszeit genommen.

Lediglich der Film „living without money“ s.o., der in diesem Jahr

fertiggestellt werden soll, spielt eine wichtige Rolle.

Internationale Dokumentarfilmer wie die Norwegerinnen Line Halverson und

Tone Anderson und Jan Dalchow sowie der Italiener Paolo Pallavidino sind

an dem Thema interessiert. Gemeinsam gestalten wir etwas, was Nachhaltigkeit verspricht.

Meine Aufgabe ist die einer Vernetzerin, die aus dem reichen

Erfahrungsschatz der Herumreisenden schöpft und zusammenfügt, was

zusammengehört.

Eine der ersten Dreharbeiten für den Film fand in einem „Gib und Nimm

Haus“ statt, in dem ich schon mehrmals gewohnt habe. Helga Hase, die

Keramikerin in Bad Salzschlirf, stellte großzügig ihr Haus zur Verfügung

für weitere Mitspielerinnen. Fünf Tage verbrachten sieben Frauen

zusammen unter einem Dach. Mein Hauptthema, das „Leben ohne Geld “

sorgte für Spass und Abenteuer im Alltag. Niemand durfte in dieser Woche

irgendetwas kaufen.

Solche Seminare waren schon vor Jahren in anderen Häusern beliebtes Thema gewesen.

Die damaligen Mitspieler, angetan von den neuen Erfahrungen, die sie durch

das Weglassen des Geldes sammelten, empfanden dieses Experiment als Bereicherung

in ihrem Leben. Dass fremde Menschen so miteinander umgehen konnten,

sich füreinander öffneten und wohlwollend unterstützten, machte glücklich.

Diesmal stellten wir als Gruppe „gib und nimm“ vor. Dazu hatten wir für

die einzelnen Geschäfte Listen ausgearbeitet, in denen alle unsere

Fähigkeiten aufgeführt waren zur freien Auswahl. In der Kürze der Zeit

liess sich allerdings nicht so viel umsetzen. Wir erhielten die Gaben

der Geschäfte meist ohne Gegenleistung von unserer Seite.

Ein sehr schöner Tausch kam jedoch zustande mit dem Touristenbüro, von dem

wir sieben Freikarten für das Thermalbad erhielten. Im Gegenzug schufen

wir einen „Kraftplatz“ für die Stadt im nahegelegenen Wald.

Das wiederum war Bestandteil des Programms für diese Woche. Ich hatte

Frauen ausgesucht mit speziellen Themen. So auch Barbara Leonhardt aus

Thüringen, die mit ihren Kunstwerken in der Natur, fachmännisch „landart“

genannt, besticht. Unter ihrer Anleitung schufen wir einen Taglang einen

schönen Platz für Meditationen und Besinnung.

Meditationen sollen zukünftig einen festen Platz bei „gib und nimm“

erhalten. So haben wir einen Termin übernommen aus München, den Dagmar

Schön schon im Jahr 2008 eingerichtet hatte. Jeden Freitag von 17.00 –

17.30 Uhr treffen sich Meditierende auf einem öffentlichen Platz,

um mit dem Thema „Stille in der Stadt“ ein Gegengewicht zu dem

Stadtgetöse zu schaffen. Ich trage die Idee weiter in andere Städte,

habe sie für mich noch transformiert und meditiere in dieser Zeit

auch für „Mutter Erde“ in der Natur. Je nachdem, wo ich gerade bin.

Auch dieses ist eine Wiederholung aus früherer Zeit, als wir über Jahre

eine Meditationsgruppe von „gib und nimm“ in Dortmund pflegten.

Ein weiterer Termin könnte für die LeserInnen interessant sein: Jeden 3.

eines Monats finden die „Gib und nimm Stammtische zur Vernetzung der

Kulturell Kreativen“ statt. Jeweils um 19.00 Uhr tragen die Teilnehmer

ihre Ideen vor und lassen sich von der Vielfalt lenken. Aus diesen

Treffen entstehen gemeinsame Aktionen, die an jedem Ort unterschiedlich

sind wegen der unterschiedlichen Menschen. Auch das eine

Wiederaufbereitung aus den früheren Aktionen von „gib und nimm“ in

Dortmund.

Nichts geht verloren, alles trägt bei zu einer Weiterentwicklung und

Festigung der ursprünglichen Idee. Ich bin froh darüber, dass ich auch

in Flauten „am Ball“ geblieben bin und mich führen lasse zu Menschen,

Orten, Situationen. Auf diese Art entsteht Vernetzung auf vielen

Gebieten. Schliesslich geht es darum, dass wir spüren, wie gross die Zahl

der „Kulturell Kreativen“ schon ist. Alle Menschen, die nach neuen

alternativen Wegen suchen, gehören dazu. Und es sind laut Paul Ray schon

Millionen. Solange jeder nur vor sich hinrödelt, wird das natürlich

nicht sichtbar. Darum ist das Vernetzen ein Sichtbar – Machen, ein Sich-

Stark- Fühlen im Miteinander. Jede behält ihre eigenen Herangehensweisen,

muss sich nichts überstülpen lassen oder sich unterordnen. Jeder kann sich

einbringen mit den eigenen Ideen und dadurch ein grösseres Wertgefühl

erlangen. So schaffen wir Schritt für Schritt eine bessere Welt.

In diesem Sinne grüsst Heidemarie Schwermer im Juni 2009

Preisverleihung in Florenz:

www.livingwithoutmoney.tv