Juni 2013

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor 19 Jahren – also zu Beginn des Jahres 1994 -stand ich an einem ähnlichen Punkt wie in diesem Jahr. Damals hatte ich geträumt, dass mein jetziges irdisches Leben zu Ende sei. Es gab gefährliche Situationen im Verkehr und anderswo. Dann jedoch eröffnete sich mir ein komplett neues Leben, als ich am 15.2.94 „gib&nimm“ gründete. Viel ist geschehen seitdem und das Leben, wie ich es bisher geführt hatte, war tatsächlich zu Ende!

An dieser Stelle möchte ich nicht noch einmal die ganze Geschichte der letzten Jahre wiederholen, nur die Parallele und die Fortsetzung für mein Tun erspüren. Etwas ist zu Ende! Alles in mir sträubt sich, Neu-gier zu befriedigen, Entertainerin zu sein, Provokateurin oder andere Rollen einzunehmen, um Menschen aufzurütteln oder nachdenklich zu machen.

Wir alle stehen an einem Punkt, an dem etwas geschehen muss für die Erhaltung unser aller Leben, besonders für das unserer Nachfahren. Es erschreckt mich, selber festzustellen, dass die Geschichte aus dem Film, der in diesem Jahr den ersten Platz besetzt hat bei dem festival von „cosmic cine“- nämlich „the vanishing of the bees“, das Verschwinden der Bienen, dass diese Geschichte auch hier in Deutschland stimmt. Ich weile gerade in einem Haus mit wunderschönem Garten, viele, viele Blumen gibt es hier- ein Paradies für Bienen wäre es. Leider erscheinen sie nicht, kein Summen und Zirpen wie in früheren Jahren. Auch die Schmetterlinge fehlen.

Ein Zitronenfalter gaukelte vor ein paar Tagen von Blüte zu Blüte, mehr nicht. Gut, vielleicht ist es noch zu früh in der Jahreszeit, aber ich fürchte nicht…

Zur Zeit ist die Tageszeitung voll mit Artikeln über die Flutkatastrophe und die unternommenen Hilfsprogramme. Täglich werden Spenden bekanntgegeben und die Sponsoren gelobt. Die Bereitschaft zu helfen, ist wirklich groß. Herzen öffnen sich und die Weite, die sich dadurch ergibt, fühlt sich gut an. Aber gleichzeitig werden die Bäume des Regenwaldes weiter gefällt, Tiere werden misshandelt, und ganze Völker verhungern!

Vielleicht ist es so, dass die Menschen wirklich gern helfen würden, aber gar nicht so recht wissen, wo anfangen. Die Katastrophe vor der Haustür ist zwar unangenehm, bietet jedoch eine Möglichkeit, zu helfen, sich im Geben zu üben und Mitgefühl zu entwickeln.

Brauchen wir dafür wirklich immer die Notsituation? Ist es nicht möglich, im ganz gewöhnlichen Alltag wach zu werden und zuzupacken? Wie oft habe ich darüber nachgedacht und festgestellt, dass viele Menschen über sich hinauswachsen, wenn es ihnen sinnvoll erscheint. In den letzten Jahren erlebte ich immer wieder Menschen- meist waren es Frauen, die über ihren eigenen Schatten sprangen und z.B. für Fremde ihr Haus öffneten, eine Tatsache, die sie selber kaum glauben konnten. Sie wagten etwas und merkten, dass sie dadurch viel gewannen: neue Freunde, mehr Beweglichkeit in ihrem Tun, Freude im Alltag und Bereitschaft zu teilen.

Darum geht es bei „gib&nimm“! Der bunte Aufkleber- vor 12 Jahren von der Dortmunder Designerin Petra Simon entworfen – machte jahrelang seine Runde durch die Welt, als Zeichen für einen neuen Umgang miteinander, für Risikobereitschaft, Teilen u.a. Auch hier wollte ich einen Schnitt machen, das Modell auslaufen lassen und fertig. Ich hatte mein Bestes gegeben, um meine Idee vorzustellen und wollte nun klein beigeben, weil ich das Gefühl hatte, dass die Zeit noch nicht reif war für eine wirkliche Nachbarschaftsvernetzung. Viel zu viele Feindschaften zwischen unmittelbaren Nachbarn konnte ich beobachten. Zwar wurde der Aufkleber auch von vielen mitgenommen, aber sein Durchbruch blieb aus. Also beschloss ich, die restlichen paar Hundert noch zu verteilen…

Ich hatte jedoch nicht mit dem Himmel gerechnet. Der mischte sich nun ein.

Zuerst rief Roland Miyamoto- ein Vermittler bei „gib&nimm“ an, um mir mitzuteilen, dass er noch einmal 25 000 Aufkleber bestellt hätte, die er auch bezahlen wolle. Kurze Zeit später meldete sich Peter Holtkamp aus Lünen, der Drucker, und fragte, ob es nicht ratsam wäre, meine Webadresse mit auf den Aufkleber zu drucken. Was hatte das zu bedeuten? Jahre vorher hatten wir gerätselt, wie es gehen könnte, dass die Mitspieler sich über die Bedeutung des Aufklebers besser informieren konnten, hatten einen Flyer entworfen, einen Stempel, waren jedoch nicht auf diese einfachere Möglichkeit gekommen. Nun gibt es also einen wetterfesten neuen Aufkleber mit einer Webseite, auf der sich jeder informieren kann. Und mein Part?

Vorträge will ich nicht mehr halten. Wo will ich die Aufkleber verteilen?

Welche Möglichkeiten habe ich denn? Tja, nun geht es um workshops, die ich anbieten werde, um Einführung in neue Verhaltensmuster, im Herausfinden, wo du vor Ort beitragen kannst, eine Welt zu schaffen mit einem liebevollen Miteinander, wohlwollender Unterstützung füreinander, Sein in Fülle, Leben aus dem Herzen heraus im Vertrauen auf den Lebensfluss. In mir sprudelt es wieder, 1000 Ideen habe ich, und weitermachen will ich allemal!

Vielleicht begegnen wir uns auch einmal! Auf jeden Fall wünsche ich jedem/r von euch viel Schwung beim Einsatz für unsere wunderschöne Welt!

Wer möchte, kann mich für solche „workshops“ gern einladen.

Herzlich grüßt Heidemarie im Juni 2013