Oktober 2014

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
neulich rief mich eine Bekannte an und klagte sehr über ihre Lebenssituation. Sie fühle sich einsam, hätte gar keine Lust auf Kontakte, wäre bettelarm und noch einiges mehr. Zwischendurch fragte sie immer mal, wie ich es denn anstellte, mich ohne Geld reich zu fühlen. Das müsse wohl an meinem Charakter liegen…
Eine andere Bekannte regte sich über einen Text auf, in dem es hiess, dass jeder einzelne Mensch dazu aufgerufen sei, das Böse in sich zu bearbeiten, um in Frieden leben zu können. „Ich bin nicht böse,“ empörte sie sich.
„Niemals würde ich eine Bombe werfen oder jemandem etwas wegnehmen. Nein, zu diesen Menschen gehöre ich nicht.“ In ihrer Empörung ging sie sogar so weit, dass sie dem Autor des Textes eine Mail schrieb, um ihm zu sagen, dass seine Auffassung ganz und gar falsch sei. Es gäbe eben die Bösen und die Guten und sie sei sich sehr sicher, dass sie zu den Guten gehöre.

Ich erinnere mich an die Erzählungen einiger Kriegsveteranen, die sich keiner Schuld bewusst waren, obwohl sie mehrere Menschen getötet hatten.
„Ich habe doch nur Befehle ausgeführt. Die Feinde sollten vernichtet werden,“ erklärten sie ihr Tun.
Gestern gab es einen Fernsehfilm, in dem auch dieses Thema eine Rolle spielte. Zwei junge Männer hatten sich zusammen das Tanzen erarbeitet. Der eine brachte schwierige akrobatische Figuren zuwege, die er täglich ausfeilte, während der andere einfach nur durch seine Bewegungen seine Stimmung wiedergab. Nun hatten beide eine Einladung zum Vortanzen bei einem Theater, und überraschenderweise wurde der stimmungsvolle Tänzer genommen. Der „Akrobat“ wurde abgelehnt. Diese Tatsache brachte ihm so viel Hass gegen seinen Freund, dass er begann, sein bisheriges freundschaftliches Verhalten zu verändern und ihm zu schaden.

Hass, Gier, Neid, Eifersucht und andere Gefühle können uns arg mitspielen, wenn wir nicht bereit sind, hinzuschauen und daran zu arbeiten. Unsere Reaktionen weisen dann Boshaftigkeiten auf, und wir erkennen uns selbst nicht mehr.

In meinem „neuen“ Buch „das Sterntalerexperiment II – mein Weg nach Innen“ (genaugenommen ist es die stark überarbeitete Fassung von „Wunderwelt ohne
Geld“) zeige ich immer wieder Situationen auf in meinem eigenen Leben, die näher betrachtet werden wollten, um transformiert zu werden. Keineswegs ist meine Absicht, mich bloß zu stellen oder mich klein zu machen, sondern mir ist es wichtig, die störenden Gefühle so zu beleuchten, dass sie aufgelöst werden können. Statt den Zorn oder Hass weiterhin zu unterdrücken, um nach außen als guter Mensch zu erscheinen, gilt es nun, zu erkennen, wie sich diese unschönen Gefühle auflösen lassen. Ja, es geht auch darum, zu erkennen, dass unsere Beweggründe keineswegs immer gut sind, auch wenn wir uns noch so bemühen.
Was haben die „guten“ Christen an Folter und Boshaftigkeit bei ihrer Christianisierung in die Welt gebracht, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein! Was machen die Moslems jetzt für ihren Allah!

Ohne Bewusstseinserweiterung geht gar nichts. Ich erinnere mich, wie ich so nach und nach in ein neues Weltbild hineingewachsen bin, denn genau wie die oben zitierte Frau hatte auch ich früher gedacht, zu den guten Menschen zu gehören. Im Laufe der Jahre, in denen ich mehrere Ausbildungen angetreten hatte, kamen die Erkenntnisse. Heute weiss ich, dass wir alle eins sind, dass die Trennung und Abgrenzung uns großen Schaden zufügen kann. Wir alle sind ähnlich gestrickt mit unseren Fehlern und Talenten. Wenn wir verstehen, dass jeder Mensch genauso sein darf wie er in die Welt gekommen ist, wenn wir uns sozusagen mit unseren Schwächen und Stärken akzeptieren, ohne uns mit anderen zu vergleichen, könnten wir alle glücklich miteinander leben. Niemand müsste der oder die Beste sein, Wettbewerbe wären in der Form, wie wir sie heute praktizieren, überflüssig. Jede könnte von anderen lernen, um noch besser im eigenen Leben klar zu kommen. Lob und Tadel bräuchten wir auch nicht mehr, denn damit werden wir nur manipuliert und von unserem Kern weggebracht.

Kritik war etwas, was ich früher gar nicht aushalten konnte! Meine ganze Persönlichkeit brach zusammen, fiel die Kritik besonders hart aus. Heute gehe ich damit ganz anders um, was mich sehr erfreut. Als meine Tochter Natalia mir eine starke Kritik nach der Lektüre meines letzten Buches entgegenbrachte, spürte ich Dankbarkeit. Ihr Scharfsinn zeigte mir Schwächen auf, die wir gemeinsam ausmerzten. Das neue Sterntalerexperiment ist sozusagen ein ergänztes Werk, angeschaut durch zwei Augenpaare.
Ich bin sehr glücklich darüber, die konstruktive Kritik statt als Abwertung als Bereicherung nehmen zu können, ein großer Schritt in meiner Entwicklung!

Uns allen weitere goldene Herbsttage wünscht Heidemarie im Oktober 2014